Frauen müssen Frauen gegenseitig in den Sattel helfen oder wenigstens so manches Mal den Steigbügel halten, damit man endlich wie die Männer vorankommt, meint Maria von Welser.

Wie entstehen Männerzirkel und wieso sind sie so stabil? Maria von Welser, ehemalige NDR-Direktorin, hat eine klare Antwort drauf: Frauen helfen sich untereinander zu wenig. „Frauen müssen andere Frauen nachziehen“, fordert sie eindringlich. Und von Welser weiß es genau, schließlich ist sie die Erfinderin des Frauenmagazins Mona Lisa und beobachtet auch in diesem Zusammenhang seit über 30 Jahren die Karrieren von Frauen. Außerdem ist sie Schirmherrin des Who ist Who der europäischen Frauen. Ihr Selbstverständnis als Journalistin und Moderatorin begreift sie so: „Ich sehe mich als jemand, der auf der Seite der Schwächeren steht.“ Und damit meint sie Frauen auf der ganzen Welt. Schon 1993 erhielt sie vom Deutschen Staatsbürgerinnenverband Berlin den Titel „Frau des Jahres 1993″ und zeichnete sie damit für „ihre ungeschminkte Berichterstattung, insbesondere über die misshandelten und vergewaltigten Frauen und Kinder im ehemaligen Jugoslawien“.

Die Emanzipation muss sich weiter entwickeln

Aus eigener Erfahrung hat von Welser erlebt, wie ihr Geschlecht ein Hindernis auf der Karriereleiter war. Aus einem emanzipierten Haushalt stammend, wo die Mutter ihr eigenes Geld als Journalistin verdiente, wusste sie, dass Frauen und Männer ähnliches leisten können. So bewarb sie sich 1967 an der Münchener Journalistenschule und landete nach den Prüfungen auf dem letzten Platz mit einem männlichen Mitbewerber. Sie bekam die Absage mit der Begründung, dass er den Ausbildungsplatz nötiger hätte, da er später mal eine Familie ernähren muss. Sie wusste schon da, dass die Zukunft Änderungen verlangt. Doch als Wegbereiter für die Emanzipation trat sie erst nach der zweiten Scheidung in Erscheinung. Sie musste selbst erfahren, wie schwer es als Alleinerziehende mit zwei Kindern ist, alles unter einen Hut zu bekommen. „Ich hab‘ vor der Heirat mit meinem Mann keine Absprachen getroffen, wer wann welche Aufgaben übernimmt. Ein Irrglaube war auch, dass in der Arbeitswelt nur die Leistung zählt, dass Engagement und Loyalität anerkannt werden. Das allein reicht aber nicht, man braucht auch Mentoren und Verbündete. Inzwischen bin ich eine engagierte, begeisterte Frauennetzwerkerin.“ Noch heute sieht von Welser es so, dass Alleinerziehende stark benachteiligt sind – und das 50 Jahre nach dem Gleichstellungsgesetz. Ihr Ratschlag an die Politik und Wirtschaft ist: Männer mehr in die Familie einzubeziehen, so sind die Herren der Schöpfung entlasteter und Frauen können sich auch eine Karriere aufbauen und müssen sich diese nicht unter vielen Widrigkeiten erkämpfen.