Das Finanzressort eines Dax-Konzerns wird erstmals von einer weiblichen Führungskraft geleitet. Die anderen acht Damen, die auch als Dax-Vorstände arbeiten, sind zumeist im Personalressort tätig.

Ab 1. Juli dieses Jahres wird Simone Menne den Finanzchef Stephan Gemkow von Lufthansa um seine Stelle beerben. Zuvor hatte Menne über die Finanztöpfe der mittlerweile abgestoßenen Fluggesellschaft British Midland bestimmt. Die britische Gesellschaft machte zu viele Verluste, daran konnte auch Menne nichts ändern. Und auch jetzt ist es nicht der einfachste Zeitpunkt, um den Posten des Finanzvorstands zu übernehmen, denn Lufthansa steckt in einer Krise. So startete die Neue vor allem mit klaren Sanierungsplänen, die schon in den ersten Wochen harte Entscheidungen forderten.

Die 52-Jährige ist seit über 20 Jahren bei der Lufthansa angestellt und hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie Finanzvorstand werden wollte. „Meine Erfahrung zeigt: Nur wenn man deutlich ausspricht, welche Ziele man verfolgt, hat man auch Erfolg.“ Sie belegt im Financial-Times-Deutschland-Ranking 2012 den ersten Platz und ist zur Managerin des Jahres erklärt worden. „Der Titel ist mehr als eine persönliche Auszeichnung. Er ist Ansporn für junge Frauen, sich ehrgeizige Ziele zu setzen“, so Menne.

Der Neid der Männer

Böse Stimmen unterstellen, dass Menne schon bei British Midland nichts ausrichten konnte und fragen, warum sie sich nun an Lufthansa versuchen darf. Sabine von Anhalt, Partnerin der Personalberatung Amrop Delta, weiß dieses Schlechtmachen im Vorfeld einzuschätzen: „In dem Moment, wo eine Frau eine Top-Position errungen hat, genießt sie keinen ‚Welpenschutz‘ und steht unter besonderer Beobachtung“. Oft wird behauptet, dass eine Frau aufgrund ihres Geschlechts bevorzugt wird und manches Mal weniger Qualifikationen aufweist. Dies entspreche jedoch nicht der Wahrheit, denn potentielle Anwärter für Top-Posten werden sehr sorgfältig ausgewählt.„Aber auf jeden Posten, der mit einer Frau besetzt wurde, hat auch ein erfolgreicher Mann gehofft. Und mancher unterlegene Kandidat scheint dann darauf zu warten, dass die Konkurrentin scheitert“, so von Anhalt. Es wird sich zeigen, ob Menne die richtige Wahl war und falls nicht: Männer haben auch schon mal versagt.