Ulrike Detmers ist mit ihren 55 Jahren schon Mutter und Oma und vor allem ein Vorbild für Frauen aus der Politik und Wirtschaft.

Es hat schon was von verkehrter Welt, wenn Ulrike Detmers wie in jedem Jahr den Titel „Spitzenvater des Jahres“ verleiht und die „Managerin des Jahres“ kürt. Aber besser als mit diesen zwei Preisen kann Detmers ihren Standpunkt, für den sie schon seit Jahren einsteht, nicht repräsentieren. Die Geschäftsführerin und Miteigentümerin des Backwarenherstellers Mestemacher wünscht sich mehr Engagement der Väter in den Familien und „Norwegische Verhältnisse“ für die deutsche Wirtschaft. Das heißt: In Staatsunternehmen und großen Aktiengesellschaften müssen Frauen zwischen 40 und 60 Prozent der Führungspositionen besetzen. Die Professorin für Betriebswirtschaft hat diese Quote bei sich in der Firma längst umgesetzt und weiß, dass die Privatwirtschaft erst folgen wird, wenn Staatskonzerne ein Positivbeispiel vorleben.

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Um herausragende Frauenpersönlichkeiten zu ehren und deren berufliche Leistungen ins Rampenlicht zu stellen, gibt die Firmenleiterin jährlich einen Kalender heraus, der für jeden Monat ein Frauenporträt zeigt. Mit dabei waren schon Angela Merkel, Beate Uhse und Ursula von der Leyen.

In ihrer Wissenschaftskarriere gab es einen Punkt, an dem sie merkte, wofür es sich zu forschen lohnt. Nach einem erfolgreichen Fördermittelmittelantrag, startete Detmers eine Studie mit dem Titel „Erfolgsfaktoren für Unternehmerinnen“. Sie interviewte dafür zwei Jahre lang Frauen in Führungspositionen und erforschte anhand dieser Fallstudien, welche Faktoren die Berufswelt von Frauen beeinflussen. „Die wahren Karrierehindernisse von Frauen sind nicht etwa die Kinder, sondern die alten Seilschaften von Männern.“ es sei schon im Vorfeld klar, wer die Nachfolge eines Führungspostens antritt. Um diesem Phänomen entgegen zu wirken, möchte Detmers eine Liste von Frauen erstellen, die nach ihrer Meinung alle Qualifikationen und Fähigkeiten für Positionen auf der Führungsebene aufweisen. So könnten Unternehmer nicht behaupten es gebe keinen passenden Frauennachschub. Ihre Tochter, obgleich sie auch einen Sohn hat, soll trotz der jungen Mutterschaft (mit 16) ihre Nachfolgerin im Betrieb werden. Diese hat trotz des Kindes, wie die Mutter auch schon, ihr BWL-Studium in Oxford gemeistert.

Man darf schon jetzt gespannt sein, was zu Zeiten von Detmers „Ruhestand“ in Angriff genommen wird. Ruhig wird es um die vielseitig begabte und interessierte Frau sicherlich nicht.