Nach der Hauptversammlung im April 2013 könnten sechs der 20 Aufsichtsratsposten mit einer Frau besetzt sein.

Obgleich der Vorstandschef Dieter Zetsche sich gegen die Quote ausspricht, werden vielleicht sogar sechs der Daimler-Aufsichtsräte demnächst weiblich sein. Dem Ziel, was von der EU-Kommission angestrebt wird, bis 2020 einen 40-ig prozentigen Frauenanteil in den Führungsposten zu wissen, unterwirft sich Daimler jedoch nicht. Der Automobil-Konzern schafft sich seine eigenen Regeln und verspricht lediglich eine Quote von 20% zu erfüllen. Das wäre dann auch schon eine Verdoppelung des Frauenanteils innerhalb von acht Jahren.

Die Hauptversammlung, die diese Entwicklung vorantreibt, findet am 10. April 2013 statt. Falls es zur Berufung von sechs statt der mindestens angedachten fünf Frauen ins Kontrollgremium kommen würde, erüllt der Konzern damit eine Quote von 30%. Folgend wäre Daimler der sechste der 30 Dax-Konzerne, die die 30%-Hürde genommen hätte, die Ursula von der Leyen so gerne gesetzlich verabschieden würde. Momentan sieht die Situation mit zwei Frauen in der Führungsebene hingegen noch kläglich aus.

Vor zwei Tagen verkündete das „Manager Magazin“, dass die ehemalige Chefin der US-Kosmetikfirma Avon am 10. April in den Aufsichtsrat berufen werden soll. Andrea Jung soll zukünftig den Platz des Kanadiers Lynton Wilson beim Stuttgarter Autohersteller einnehmen. Sie, die auch im Verwaltungsrat bei Apple und bei General Electrics sitzt, wäre damit die dritte Frau im Bunde. Einen Posten bei Daimler haben bereits die Ex-Nokia-Managerin Sari Baldauf und die ehemalige Nestlé-Managerin Petraea Heynike.

Arbeitnehmer favorisieren Frauen

Die Arbeitnehmerseite bei Daimler zeigt sich im Mitspracherecht emanzipiert und nominiert vor allem Frauen, die sie im Aufsichtsrat vertreten sollen. Zur Debatte am Tag der Hauptversammlung steht zum einen Sabine Maaßen, die als Juristin der IG-Metall schon ein Posten im Kontrollgremium des Essener Stahlkonzerns ThyssenKrupp hat. Und zum anderen soll auf Vorschlag des Konzernbetriebsrates Elke Tönjes-Werner, die im Werk Bremen Versitzende des Personalausschusses ist, in den Aufsichtsrat berufen werden. Die zwei männlichen Vorgänger kandidieren altersbedingt nicht weiter. Die Frage aus dem letztem Jahr von Chef Dieter Zetsche beantwortet sich also von ganz alleine: „Wenn ich höre, dass in drei, vier Jahren 40 Prozent auf den Führungsposten Frauen sein sollen, dann verraten Sie mir bitte: Wohin soll ich all die Männer aussortieren?“

Die potentiell sechste Frau ist Ulrike Schwing-Dengler. Ihre Berufung steht jedoch mehr als die der anderen in den Sternen. Ihre Karriere war keine unfallfreie bei Daimler. Denn 2006 sollten 1.000 Mitarbeiter im Zuge des Programms Neues Management-Modell mit einer Abfindung besänftigt ihren Job aufgeben. Daran dachte die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin jedoch nicht. Schwing-Dengler kämpfte sich nämlich vor dem Arbeitsgericht und durch schwierige Zustände wie Hausverbot und einem geräumten Büro zu einer Weiterbeschäftigung. Derzeit ist sie als Senior Managerin im Ressort für Finanzen in der Zentrale tätig.