Die deutsche Sprache passt sich an.

Man könnte, wenn man die Überschrift liest, meinen, dass sich der Artikel ums Unwort des Jahres dreht. Doch dem ist nicht so, obgleich mir Word das Wort „Vorständin“ noch rot unterkringelt. Der Duden möchte dieser Tatsache entgegen wirken und sieht sich veranlasst der momentanen Entwicklung, auf die die deutsche Sprache bislang nicht vorbereitet war, mit der weiblichen Form von Vorstand zu begegnen.

Dabei könnte sich das Wörterbuch der deutschen Sprache noch getrost Zeit lassen, schließlich gibt es ja erst 15 Frauen in den Konzernführungsetagen und ob sich diese stabil dort halten werden, weiß bislang auch nur die Zukunft. Doch der Titel soll schon jetzt kommen, da Moderatoren, Journalisten und Redenschreiber jüngst vor das Problem der korrekten Bezeichnung gestellt worden sind.

Die „Vorständin“ hinterließ bis jetzt jedoch ein ungutes Gefühl, bei Unternehmen, die sich an dem Terminus probierten. „Vom Sprachgefühl her zuckt man erst mal zusammen“, lässt Siemens wissen. „Wir orientieren uns an dem normalen Sprachgebrauch“, sagt ein Konzernsprecher. Bei dem Dax-Unternehmen heißt es also auch in Zukunft noch weiter: Brigitte Ederer ist Vorstand.

Im Internet ist „Vorständin“ schon drin

Da die weibliche Bezeichnung von Vorstand und dessen Plural „Vorständinnen“ schon im Online-Duden verzeichnet sind, werden die Wörter auch bald in der gedruckten Version erscheinen. Noch bevor der Duden es in Erwägung zog die weibliche Form aufzunehmen, konnte man in Firmen „Vorständin“ hören. Ursprünglich wurde mit dem Wort Vorstand ein komplettes Gremium bezeichnet, später auch einzelne Mitglieder davon, die aber stets männlich waren. Sprachforscher sehen die Neuaufnahme in den Duden mit gemischten Gefühlen: „Ein Wort für Alle – das ist auch Gleichberechtigung“ und würde reichen, meint der Chefredakteur der Zeitschrift „Deutsche Sprachwelt“, Thomas Paulwitz. Die Gegner der Sprachschützer betonen, dass Sprache mit der Zeit gehen muss und letztlich eine Gewohnheit ist. Schließlich kam das Wort „Bundeskanzlerin“ auch erst zur erstmaligen Kanzlerkandidatur von Frau Merkel 2005 in den Duden hinein und ist jetzt nicht mehr wegzudenken.