Gina Rinehart, die reichste Frau der Welt, ist Erbin und raffinierte Geschäftsfrau

Wer Georgina, kurz Gina, Rinehart zu Gesicht bekommt und nicht weiß, wer sie ist, nimmt kaum Notiz von ihr. Die 58-Jährige ist für das sportliche Australien schwergewichtiger als der gewöhnliche Bürger und geht wegen ihrer unprätentiösen Art trotzdem in der Masse unter. Zu einem Fototermin tauchte sie schon des Öfteren in weiter Kleidung, mit ungewaschenen Haaren und Badeschlappen auf und sah kein Grund der Verlegenheit oder gar Entschuldigung. Glatt könnte sie als eine Minenarbeiterin, statt als die Chefin aller, durchgehen. Dass sie je nach Weltmarktpreis für Eisenerz die reichste Frau der Welt ist, darauf kommt man nur, wenn man es weiß. Den ersten Platz macht ihr je nach Konjunktur nur die Wal-Mart-Erbin Christy Walton streitig. Schönheit ist für Rinehart ganz augenscheinlich „nicht der gezupfte Rasen, es sind nicht die Gemälde, Schmuck, Statuen oder die Boutiquen in Paris. Schönheit, das sind die bizarren, nicht mit dem Pinsel einzufangenden Farben der Pilbara“. Auch „Ideen sind Schönheit – die Ideen, was wir mit dieser weiten Wildnis anfangen können, wenn wir ihre Bodenschätze nutzen. Schönheit ist eine Eisenerzmine.“, lässt sich die Erfolgsfrau gerne zitieren.

Sie hat ihre Chance geschenkt bekommen

Auch wenn die Erbin es nicht gerne hört, sie übernahm nach dem Tod des Vaters 1992 das von ihm aufgebaute Imperium und erbte gleichfalls mehrere Millionen. Doch auch der Erfolg von Lang Hancock und seiner Frau baut auf mehr oder weniger einem Initialzufall auf. Sie sahen ganz nebenbei auf einer Reise eine rotbraune Spur und entdeckten so das erste Mal Eisenerz in Australien. Der Fund und das Verhandlungsgeschick des Vaters ließen das Vermögen der Hancocks auf 75 Millionen Dollar anwachsen. Die Tochter erbte sein Vermögen in finanzieller und pragmatischer Hinsicht. Es half natürlich auch, dass der Vater sie schon als Kind mit zu Geschäftsbesprechungen nahm. Dass sie noch mehr als der Senior auf dem Kasten hat, stellte sie in kürzester Zeit unter Beweis. Denn 2002 betrug das Vermögen zirka 280 Millionen Dollar. Bis 2011 wuchs ihr Hab und Gut sogar auf 20 Milliarden Dollar und Gina Rinehart avancierte damit zur reichste Frau in der gesamten globalisierten Welt. Auf der Liste des Forbes Magazines wurde Rinehart auf Platz 19 gesetzt.

Eine Hardlinerin

Rinehart befürchtet keinesfalls in Armut zu verfallen, doch ängstigt sie sich vor Fragen, wie sie Michael Yabsley, heute Lobbyist und früher Politiker der Liberalen, stellt und beantwortet: „Die große Frage ist doch, ob ihr Reichtum auf eine gute Geschäftsstrategie zurückgeht oder auf eine gute Portion Glück und das unglaubliche Wachstum der Erz- und Kohlemärkte rund um die Welt und besonders in China. Ich glaube, es ist beides.“ Wer glaubt, dass allein das Glück ihr zu diesem Aufstieg verholfen hat, der irrt. Denn in der Branche des Eisenerzes sieht es gar nicht so rosig aus. Die Vorstandschefs der Konkurrenten vernichten sich dank ihrer Unfähigkeit selber. Rinehart dagegen triumphiert mit ihrem Führungsstil. Zahlreiche Kündigungen auf den höchsten Ebenen führen dazu, dass die australische Wirtschaftszeitung Financial Review die Aussage des ehemaligen westaustralischen Ministers Clive Brown anführt: „Sie sitzt auf mehr Eisenerz als Rio Tinto und BHP Billiton zusammen.“

Wie konsequent Rinehart die Anhäufung von Macht und Geld verfolgt, kann man auch an den Rechtsstreitigkeiten, die sie mit drei von ihren vier Kindern zur Belustigung aller Australier führt. Die Kinder dürfen durch ihre Anteile am Konzern theoretisch mitbestimmen, in der Praxis weiß Rinehart das stets zu verhindern sowie ihnen den Geldhahn zu zu drehen. Dass die Frau zur Not auch illegale Mittel anwendet, macht sie keinesfalls sympathisch, aber gefürchtet. Die dritte Gattin des Vaters, die einen Anteil des Vermögens von 26 Millionen erbte, wurde zu dessen Herausgabe verklagt. Wie herauskam, bestach Rinehart im großen Stil Zeugen, um der Stiefmutter den Tod des Vaters unzulässig unterzuschieben.

Auf einem konservativen, wirtschaftsliberalen Standpunkt

Die angeborene Tüchtigkeit möchte die Erbin in ganz Australien durchsetzen und zeigt sich schonungslos im Blick auf Arbeitslosigkeit und Armut. In einer Kolumne eines Wirtschaftsmagazins konnte man ihre klare Meinung lesen: Leute, die glauben zu wenig zu haben, sollen „nicht rumsitzen und jammern“, sondern „weniger Zeit mit Trinken, Rauchen und Treffen mit Leuten verbringen und mehr arbeiten.“ Im gleichen Atemzug forderte sich eine Senkung des Mindestlohns auf 500 Euro pro Woche und Steuerkürzungen für Reiche. Zu Folge hätte der Einschnitt ein Mehr an Beschäftigung.

Um solche oder andere Dinge durchzusetzen, versucht sich Rinehart in die Politik zu drängen. Den Einfluss versucht sie über Macht in den Medien geltend zu machen. So hält sie etwa 10 Prozent und einen Aufsichtsrat-Sitz am Fernsehsender Network Ten und beteiligt sich mit 20 Prozent am Medienriesen Fairfax. Adele Ferguson, die ihre Biographie schreibt, weiß: „Australien hat noch nie eine solche Vermengung von Geld und politischen Interessen gesehen wie bei Gina.“