Der Plan der katholischen Kirche: Mehr Macht den Frauen

Wie viel weibliches Personal sollte in den Führungs- und Leitungspositionen vertreten sein, fragen sich die Menschen. Firmen schmücken sich mit neuen Frauen im Aufsichtsrat. Und der Focus titelte unlängst mit weiblichen Gegnern der Quote. Viele beschäftigen sich mit dem Problem, dass Frauen auf dem „freien Arbeitsmarkt“ nicht nach oben kommen. Natürlich gibt es Ausnahmen, die als leuchtende Vorbilder für die ganze Damenwelt stets ins kollektive Gedächtnis gerufen werden. Doch die Forderung nach weiterer Regulierung bricht nicht ab, denn es sind immer noch zu wenige Frauen, die mitzureden haben. Überraschenderweise blieb bisher der größte Arbeitgeber „Konzern Kirche“ von der Quotendiskussion weitgehend verschont. Mit der Beschäftigtenzahl von 650.000 liegt die katholische Kirche nämlich noch vor Riesenfirmen wie der Post, Bahn und Siemens. „Wenn Kirche in der Realität ankommen will, muss sie sich dieses Themas annehmen.“, weiß die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner. 13 Prozent Frauen soll es jetzt schon in den oberen Leitungsebenen der Kirche geben. Zukünftig versprach man „noch mehr“ Frauen in Führungspositionen einzubinden.

Doch schaut man sich in den oberen Reihen der Kirchenmacht um, fällt einem schnell auf, dass bedeutende Funktionen zumeist an die Weihe gebunden sind. Und Bischöfe und Priester werden auf lange Sicht ganz sicher nicht weiblichen Geschlechts sein, lässt man von oberster Stelle erklären. Es gibt sicherlich Krankenhäuser und Kindertagesstätten, die als Chef eine Frau haben – doch wie im Fall der „Pille danach“ gezeigt hat, haben nur die Herren an der Spitze mitzureden sowie zu bestimmen, was im Berufsalltag vor sich geht. Weiheamt und Leitungsamt fällt eben dann doch meist zusammen. Kein Wunder, dass die Vermutung nahe liegt, die Aussage aus Trier, Frauen demnächst vermehrt auf Machtpositionen sitzen, als ein leeres Versprechen oder gar eine PR-Aktion, um den Ruf wieder ein bisschen rein zu waschen, einzuschätzen. Denn einen komplette Konzernumstrukturierung steht schließlich nicht auf der Tagesordnung.

Trotz fehlender Weihe an der Spitze

Doch die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Claudia Lücking-Michel, stellt nicht die Frage nach dem Diakonat von Frauen, sondern rückt in den Fokus nach mehr Spitzenposten zu suchen, die an keine Voraussetzung der Weihe gebunden sind. „In der Terminologie innerhalb der Kirche muss man zwischen Führung und Leitung unterscheiden. Wenn wir Führungsaufgaben sehen, geht es beispielsweise um Spitzenpositionen bei den Hilfswerken, Stichwort Caritas, um gehobene Positionen bei Akademien und in den Bistümern. Da ist ganz viel möglich, wo wir vom Gefühl her bei der Besetzung immer noch ausschließlich mit Priestern rechnen, wo aber eine Weihe tatsächlich keine inhaltliche und formale Voraussetzung sein muss. Das sind Stellen, bei denen es einfach eher eine Mentalitäts- oder Gewohnheitsfrage gewesen ist, wenn sie bislang nicht für Frauen geöffnet worden sind. Sogar in der Judikative gibt es Bewegungsmöglichkeit. Meine Frage ist also nicht als erstes, warum werden Frauen nicht Pfarrerin, sondern wo sind all die Stellen mit Verantwortung, die man wahrnehmen kann, wenn man nicht geweiht ist.“

Nach ihrer Meinung müssen die Frauen einen besseren Zugang zur wissenschaftlichen Laufbahn der Theologie bekommen, denn meist mündet das Studium in Priester-Stellen. Das heißt für Frauen, der Nutzen bzw. die Verwendung eines solchen Studiums geht gleich gen Null. Eine Einbeziehung in die Gemeindeleitung wäre nach Lücking-Michels Meinung ein großer und notwendiger Schritt, um der Geschlechtergerechtigkeit näher zu kommen. „Geschlechtergerechtigkeit würde für mich heißen, dass Männer und Frauen ihre Erfahrungen, ihre Anliegen und ihre Charismen im Hinblick auf Spiritualität gleichberechtigt in die Kirche einbringen können. Wie die Debatten zeigen, gibt es schon einen Wandel in den Köpfen. Da sollten aber Taten folgen – und das auf ganz verschiedenen Ebenen.“

Man darf also gespannt abwarten wie der in Aussicht gestellte Frauenförderplan, der vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, versprochen wurde, sich mit Leben füllen wird.