Auch wenn es schon gestern vor einer Woche war, wünschen wir Yoko Ono auf diesem Weg auch noch alles Gute nachträglich zu ihrem 80. Geburtstag.

Wenn die meisten den Namen Yoko Ono hören, denken sie zwangsläufig an die Beatles, denn sie war die Frau von John Lennon. Dass sie jedoch mehr als das war und schon vor den Zeiten als Gattin eine künstlerische Präsenz in den wichtigen Kreisen aufwies, wird heute manches Mal vergessen. Außerdem war Ono die erste Frau, die überhaupt je an der Gakushuin-Universität ein Studium beginnen durfte.

Frauenvorbild in New York, New York

Die 1933 geborene japanisch-amerikanische Frau war vielseitig begabt. Als Philosophin, Filmemacherin, Komponistin und Sängerin trat sie auch außerhalb ihres Künstlerdaseins ins Bewusstsein der Menschen. Eine entscheidende Rolle spielte sie als vorerst einzige Frau in den Anfängen der Fluxus-Bewegung, eine Kunstrichtung der Avantgarde, die allein die schöpferische Idee in den Fokus rückt. Eine ihrer einprägsamsten Konzeptarbeit aus dieser Zeit ist „Cut Piece“ von 1965. Bei diesem Event konnte man Ono im Kniefall, fast geistesabwesend sitzen sehen und einzelne Zuschauer bestimmten dabei, wie viel von ihrer Kleidung mit einer Schere abgeschnitten wird. An der Stelle des Stoffes bleibt bloßes Fleisch. Je mehr Menschen an ihren Sachen herumschneiden und je unbekleideter sie wird, desto bedrückender wirken die Filmbilder. Die Rezeption des Kunstwerks wird von der Medien Kunst Netz-Seite so beschrieben: „»Cut Piece« hatte ein Entblößen zur Folge, eine Auflösung der Wechselwirkung zwischen Exhibitionismus und dem Verlangen nach Betrachtung, zwischen dem Opfer und dem Angreifer, zwischen dem Sadisten und dem Masochisten. Zudem ließ Ono, die selber heterosexuell ist, das Verhältnis der Geschlechter von männlichen und weiblichen Subjekten deutlich zutage treten, insofern sie füreinander nur Objekte sind.“

Sie setzte mit dem Werk einerseits Maßstäbe für die Avantgarde-Künstler, der 60er und 70er Jahre, aber andererseits hinterfragte sie mit ihrer Kunst stets die Stellung der Frau. Sie lieferte Bilder und Texte zu der zweiten Welle des Feminismus, ohne das Wort je wirklich auszusprechen. Sehr wohl aber stand sie klar und deutlich für den Frieden und die Menschenrechte ein.

Nebenbei Mutter geworden

Dass sie 1963 eine Tochter aus zweiter Ehe bekam, war damals kaum eine Schlagzeile wert, da Ono sich nur unmerklich in ihrer künstlerischen Tätigkeit einschränkte. Kurz danach war die Presse dafür umso deutlicher, als es darum ging, Yoko Ono als „Hexe“ zu verurteilen, die für die Auflösung der Beatles verantwortlichen gewesen sein soll. Ganz gleich, ob die Künstlerin bewusst dazu beitrug, dass Ehemann Lennon nicht mehr bei den Pilzköpfen mitspielen wollte oder ob Lennon selbst lieber mit ihr Zeit verbrachte und Musik machte, die Presse bereitete den Alltag für Ono zur Hölle auf Erden. Jedoch aus der Anfeindung resultierte lediglich ein erstarktes Paar, das sich politisch engagierte. Ihre gesellschaftliche Macht sollte sogar den Präsidenten Nixon ihren Einfluss fürchten lehren, da Lennon und Ono es beinahe schafften, das Wahlalter auf 18 Jahre zu senken.

Ebenso folgten Skandale rund um die beiden und ihr Privatleben. Sogar eine kurze Trennung stand aufgrund eines Seitensprung Lennons an. Nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes wurde es ruhiger. Er übernahm den Haushalt, sie leitete sein Management. Erst kurz vor der Ermordung Lennons 1980 brachten beide wieder zusammen ein Album raus. Mit den Schuss auf ihren Ehemann musste Ono nicht nur lernen als Witwe zu leben, sondern musste ebenso einen neuen Umgang mit der Kunst und ihrer Öffentlichkeitswirksamkeit finden. Und sie fand ihn. Es folgten nach einer Trauerzeit viele weitere Auftritte zu ihren Themen Kunst, Frieden und Lennon.

Die Schirn in Frankfurt widmet sich anlässlich ihres 80.Geburtstag der Künstlerin Yoko Ono und nicht der Witwe Lennons.