Christine Bortenlänger war lange Zeit die Chefin der Börse München. Heute steht sie an der Spitze des Deutschen Aktieninstituts (DAI).

Christine Bortenlänger ist in vielerlei Hinsicht eine ungewöhnliche Frau. Während andere den Weg des geringsten Widerstandes einschlagen, geht Christine Bortenlänger stets aktiv die Herausforderungen an, die ihr das Leben stellt. Christine Bortenlänger ließ sich nie von ihrem Kurs abbringen. Im Gegenteil: Ihr schwieriger Weg stärkte sie.

Im Anschluss ans Abitur absolvierte sie eine Banklehre bei der Bayerischen Vereinsbank AG und begann danach, Betriebswirtschaftslehre in München zu studieren. Nach dem erfolgreichen Abschluss als Diplom-Kauffrau promovierte sie und war als Unternehmensberaterin tätig.

Bereits mit 33 Jahren war Bortenlänger über lange Zeit als Vorstand der Bayerischen Börse AG und Geschäftsführerin der Börse München aktiv – als erste Frau an der Spitze einer deutschen Börse.

Heute fungiert sie als Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts (DAI) in einer eher männlich dominierten Branche.

Eine private Herausforderung

Ihr Weg gestaltete sich aber nicht so problemlos, wie es auf den ersten Blick anmuten mag. Denn Bortenlänger ist nicht nur Karrierefrau, sondern wurde auch früh Mutter. Der Spagat zwischen Familie und Karriere wurde von außen betrachtet scheinbar spielend geschafft. Doch bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass natürlich auch in ihrem Fall Probleme und Hindernisse zu bewältigen waren. Einzig ihr Wille und ihre Stärke ermöglichten ihr, die gesteckten Ziele zu erreichen. Ein Vorbild hatte Bortenlänger unbewusst schon früh gesucht und in ihrem engen Umfeld auch gefunden: Ihre Grundschullehrerin. Diese faszinierte die junge Schülerin durch Energie, Leidenschaft sowie Tatkraft. Ihren Beruf sowie die Erziehung ihrer drei Kinder managte die Pädagogin nachahmenswert.

So nahm sich Bortenlänger an ihr ein Beispiel, als sie mit 21 Jahren während ihrer Banklehre unerwartet schwanger wurde und neue Herausforderungen ins Haus standen.

Schwächen in Stärken umwandeln

Die wesentlichen Faktoren, die ihr geholfen haben, diese und weitere Aufgaben im Privatleben und Beruf erfolgreich zu meistern, waren wohl ihre Angstfreiheit und ihre Hands-on-Mentalität. Nicht lange überlegen, nicht lange fackeln, stattdessen handeln und eventuelle Konsequenzen nicht scheuen, so lässt sich die Herangehensweise Bortenlängers zusammenfassen.

Bortenlänger erzählt, wie ihr die Erziehung ihres Sohnes und alltägliche Schwierigkeiten als junge Mutter geholfen hätten, die eigene Ausbildung nicht zu wichtig zu nehmen. So erkrankte beispielsweise ihr Sohn zwei Wochen vor ihrem Examen an Windpocken, was zur Folge hatte, dass sich die Studentin kaum der Prüfungsvorbereitung widmen konnte. Die Krankheit des Sohnes relativierte den Stellenwert des Studiums, aber auch die eigenen Ziele. Flexibilität und Improvisation mussten zwangsläufig zumindest zum Teil „die Lernerei“ (Bortenlänger) ersetzen. „Wenn ich durchgefallen wäre, wäre die Welt nicht zusammengebrochen“, so Bortenlänger. Der Sohn half ihr, die Prioritäten zu Recht zu rücken.

Über diese Jahre konnte sich Bortenlänger so die Fähigkeit aneignen, aus schwierigen privaten Erfahrungen für sich selbst positive Erkenntnisse zu ziehen und von diesen auch beruflich zu profitieren.

Ebenso positiv wird sich ihre persönliche Note im Umgang mit anderen auf ihren Erfolg ausgewirkt haben. Denn laut Bortenlänger mache sie keine Unterschiede zwischen Menschen unterschiedlicher Schichten, sondern begegnet stattdessen jedem Menschen auf Augenhöhe – „gesellschaftlichen Persönlichkeiten […] wie Handwerkern“.

In aller Bescheidenheit rechnet sich Bortenlänger jedoch ihre Erfolge nicht alleine an. Sie glaubt vielmehr an das Schicksal und hat gelernt, dass vieles im Leben eben nicht planbar ist. Aber laut Bortenlänger sei einem das Schicksal eventuell eher positiv gewogen, wenn man das Leben voller Begeisterung angehe.