Die Förderung von Professorinnen geht in die zweite Runde. 2017 kann dann nach zehn Jahren Gleichstellungspolitik im Wissenschaftssystem Bilanz gezogen werden.

Nicht erst seit kurzem schreiben sich Journalisten in Tageszeitungen die Finger wund, wenn es um die Frauenquote in deutschen bzw. europäischen Führungsetagen geht. Doch das Phänomen der Männerherrschaft ist nicht nur an der Spitze von Konzernen zu finden, sondern ebenso in den Universitäten dieses Landes – der Brutstätte der Vorstandskräfte. Zur Beschwichtigung muss man bemerken: Es ist auch in diesem Feld besser geworden. Denn im Vergleich zu 1995, wo nur acht Prozent aller Lehrstühle durch Frauen besetzt waren, sind es heutzutage wenigstens schon knapp 20%. Doch man muss nicht gut in Mathe gewesen sein, um zu begreifen, dass ein Fünftel viel weniger als die Hälfte ist. Vor allem Jungs, die naturwissenschaftliche oder technische Schwerpunkte im Studium setzen, bekommen in den Studienjahren meistens weder Kommilitoninnen noch Professorinnen zu Gesicht. Bei den Geisteswissenschaften sind es immerhin 30% Frauen, die Vorlesungen halten und Seminare geben.

Wissenschaftssystem überholt Wirtschaftssystem

2007 entschloss sich die große Koalition dazu, der aktuellen Situation nicht mehr tatenlos zuzusehen, sondern investierte 150 Millionen Euro in ein fünf-jähriges Programm. Eine positive Bilanz konnte Ende 2012 gezogen werden: „Neben den neuen Stellen selbst sind die strukturellen Wirkungen ein Erfolg des Programms. Sie zeigen die neue Qualität der Gleichstellungspolitik im Wissenschaftssystem.“ Es wurden 260 Stellen für Professorinnen geschaffen. Wer welche davon haben wollte, musste Gleichstellungvorschläge anbieten und konnte bei Gefallen maximal drei Stellen pro Universität bekommen. Der Wettbewerb ging so vorbildlich aus, dass die Bundesregierung nun eine zweite Runde ausrief. Man darf jetzt schon gespannt sein, wie sich die Lage an den einzelnen Instituten bis 2017 verändert. „Gerade im wissenschaftlichen Bereich brauchen Frauen oft mehr Zuspruch, sie neigen dazu, sich zu unterschätzen, trauen sich weniger zu“, sagt Nadine Gatzert, vor drei Jahren jüngste Professorin in Deutschland.

Auch für Wissenschaftlerinnen wird keine Ausnahme gemacht

Im Zuge des Programmes und der Entwicklung von Gleichstellungskonzepten entwickelten viele Hochschulen Methoden zur Förderung von Frauen in der hohen Universitätslaufbahn. Zu diesen gehören besondere Stipendien, Förderpreise oder andere Maßnahmen wie „Frauen-Headhunting“. Doch auch hier ist der Weg zur Gleichstellung noch ein langer, denn selbst potentielle Professorinnen werden vor die Frage „Kind oder Karriere?“ gestellt. Zu 44% schreiben weibliche Absolventen eine Dissertation, Habilitationen werden nicht mal mehr von der Hälfte aller Doktorinnen fertig gestellt. Denn meist wird nach dem Doktor der Möglichkeit ein Kind zu bekommen, Raum gelassen und dieses (oder mehrere) besiegelt nicht selten die gehobene Universitätslaufbahn. Außerdem erhöhen befristete Arbeitsverträge nicht gerade die Attraktivität von Unistellen für eine Mutter. Die Studie des Bonner Centers of Excellence Women and Science unterstreicht diese These durch die Forschungsergebnisse noch. Sie ermittelten, dass die Entscheidung „entweder oder“ heißt. Zwei Drittel aller Befragten blieben zugunsten der Karriere kinderlos.

In der nächsten Runde des Programmes der Bundesregierung darf darauf gehofft werden, dass weitere hundert neue Stellen geschaffen werden und somit eine noch stärkere Signalwirkung nach Außen gesendet wird bzw. einen Nachahmer Effekt auslöst.