Dr. Elke König ist Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht  (BaFin) und wacht in dieser Funktion über Deutschlands Finanzwelt.

Seit einem Jahr bekleidet die promovierte Wirtschaftsprüferin nun schon ihren Posten als Präsidentin der deutschen Finanzaufsicht. Der Vorstandsvorsitzende der HypoVereinsbank findet klare Worte für ihre Arbeit in den letzten 12 Monaten. „Liebe Frau Doktor König“, sagt Theodor Weimer in einer Rede, „bleiben Sie so scharf, wie Sie sind.“ Ein gewagter Satz in Zeiten der Sexismus-Debatte, der sich nach einer Schrecksekunde jedoch dank der Ergänzung „Schärfer brauchen Sie nicht zu werden.“ erklärt. Sie ist in der männlichen Welt des Fiskus nicht nur verehrt, sondern vor allem auch gefürchtet. »Wenn Sie Angst haben, Entscheidungen zu treffen, dann sind Sie in solchen Positionen an der falschen Stelle«, weiß König. Ihr Wegweiser ist ein gesunder Menschenverstand und betriebswirtschaftliche Prinzipien.

Ihr Plan für das kommende Jahr ist abgesteckt: Die Schattenbanken müssen endlich reguliert und die Folgen des niedrigen Zinsniveaus abgefedert werden. Außerdem läuft bei der BaFin momentan eine intensive Prüfung der Notwendigkeit von Sanierungsplänen von Versicherungen und Banken.

Zum Selbstbewusstsein erzogen

König hat bisher meistens das geschafft, was sie sich vornahm. Die 59-Jährige stammt aus einem Elternhaus, welches ihr stets Mut machte, sich auch als Frau zu verwirklichen. Die Mutter studierte selber und war als Unternehmerin tätig, der Vater war Bauingenieur und gab ihr Sätze mit auf den Weg wie „Du wirst ja von deinem Beruf leben wollen.“ Das gab einerseits Selbstbewusstsein, anderseits Druck auch etwas zu werden und nicht in die soziale Hängematte der Alleinverdiener-Ehe zu plumpsen. Gut oder nicht gut, dass König ihrer Leidenschaft für Zahlen, Formeln und Gleichungen nur bedingt im Studium nachgab, da sie dachte, mit einem Abschluss in Mathe könne man nur als Lehrerin seine Brötchen verdienen. So schrieb sie sich in Betriebswirtschaftslehre an der Uni Köln ein, promovierte am Institut für Rechnungswesen und begann Anfang der 80iger Jahre ihren ersten Job bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Fast en passant legte die Powerfrau noch das Examen als Wirtschaftsprüferin ab und prüfte für KPMG die Bilanzen von Versicherungen in ganz Deutschland. 1990 hatte sie bereits zwei ältere Kinder und einen Mann, die ihr in den Süden folgten, als sie das Rechnungswesen bei der Münchener Rück leiten sollte.

Die König nicht lange in London

Erst Mitte 2010 übernahm sie in der Hauptstadt Großbritanniens einen neuen, mächtigen Job – im IASB, einem kleinen Kreis von Experten, die internationale Bilanzstandards festlegen. Doch dann kam ein Anruf vom Headhunter, der ihr den heutigen Posten anbot. Ungern früh und nach langem Überlegen wechselte König trotz finanzieller Einbußen zurück nach Deutschland. Zu sehr reizte sie die Stelle – und sie scheint dafür auch wie gemacht.

Manchmal wird sie die „Taliban des deutschen Rechnungswesens“ genannt. Dabei kann König sich einfach nur durchsetzen. Laut ihrer Kollegen kommuniziert sie klar, hat kaum Angst vor hohen Tieren und ist stets offen gegenüber harten Konfrontationen. Sie möchte vielen Frauen in den Steigbügel helfen und zeigen, dass Kind und Karriere, wenn auch mit Repressalien, vereinbar sind. Auch wenn sie zugibt, dass sie ein Arbeitstier ist, dem auch der Sonntag kaum heilig ist.

Einer Quote steht sie sehr indifferent gegenüber. „Würde man nur nach Papier einstellen, müssten wir irgendwann eine Männerquote einführen. Denn viele junge Frauen machen die besseren Examen und haben die besseren Lebensläufe“, beschreibt sie ihre Alltagsbeobachtungen. Die mangelnde Kinderbetreuung mache sie teilweise dafür verantwortlich, dass nicht alle Mütter die wollen, es zu einer Karriere bringen. Außerdem sagt sie: „Frauen sind leider anders konditioniert. Gibt man einer jungen Frau eine Chance, fragt sie: ,Trauen Sie mir das auch zu?’“. Dieser defensive Habitus habe König unsentimental werden lassen. Wenn jemand sich einen Job nicht zutraue, wolle sie auch niemanden zu seinem Glück zwingen. Ihr ist klar, dass es schwer ist in kompletten Männerzirkeln als einzige Frau zu arbeiten. Jedoch wenn nicht die erste Frau einmal damit anfängt, werden nie andere nachziehen können.