In Frankreich ist es endlich nicht mehr illegal, als Frau in Hosen rumzulaufen.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit lautet die Parole der französischen Republik. Und doch ist die Gleichheit in der Klamottenfrage gesetzlich erst seit ein paar Tagen wirklich auf den Stand des modernen Alltagslebens gehoben worden. Denn jetzt dürfen die Französinnen das erste Mal auch legal Jeans in der Öffentlichkeit tragen. Läuft man in Paris durch die Straßen, wird man schnell merken, dass Frauen unter 50 Jahren generell vielmehr in Hosen zu sehen sind als in Rock oder Kleid. Dennoch damit brachen sie bisher eigentlich ein bestehendes Gesetz.

Am 7. November 1800 sahen sich die Pariser Behörden dazu gezwungen, eine Verordnung zu erlassen, die Frauen nur befähigte Hosen zu tragen, wenn sie eine Erlaubnis des Polizeipräfekten vorzeigen konnten. Sinn der Verordnung war es, in den Zeiten der Französischen Revolution zu verhindern, dass revolutionäre Frauen als Männer verkleidet mit in den Krieg zogen. Falls sich eine Frau dem Diktat verweigerte, konnte sie deswegen sogar vor Gericht angeklagt werden und musste mit harten  Strafen rechnen. Etwa 100 Jahre später erweiterte sich das Reglement zwar um die Fälle, dass Frauen Hosen tragen durften, wenn sie zu Pferd oder zu Fahrrad unterwegs waren, doch ansonsten blieb es bis heute unverändert. Der konservative Minister Alain Houpert war sich der Vorschrift bewusst und erinnerte in einem Brief erregt das Frauenministeriums daran.

Eine langwierige Abschaffung

Das Ministerium für Frauenrechte tagte sechs Monate immer mal wieder zu diesem Thema. Das Ergebnis: Frauenrechtsministerin Vallaud-Belkacem gab die Erklärung heraus, dass die Verordnung im Gegensatz zu dem in der Verfassung und in der Europäischen Menschenrechtskonvention stehenden Grundsatz der Gleichheit von Mann und Frau sei. Nach einem neuen Erlass, der am 31. Januar auf Seite 399 des nationalen Amtsblattes publiziert worden ist, ist das Hosenverbot nicht mehr in Kraft.

Ob das Hosentragen jetzt noch genauso viel Spaß macht, wo es aus der Schatten der Illegalität gezogen ist, lässt sich nur bei einer Französin erfragen.