In vielen Ländern dieser Welt wird der Frauentag mit Arbeitszeitverkürzung und kleinen Präsenten bzw. Blumensträußen gefeiert. Das ursprüngliche Anliegen von Initiatorin Clara Zetkin gerät dabei immer mehr in Vergessenheit. Vielleicht ist das aber ein gutes Zeichen.

Übermorgen ist es wieder so weit. Es ist der achte März und somit Internationaler Frauentag. Nur die wenigsten wissen, dass es diesen Tag nun schon über hundert Jahre gibt und er dazu diente, zu Zeiten des Ersten Weltkrieges die Gleichberechtigung voranzutreiben sowie das Wahlrecht für Frauen einzuführen. Heutzutage kämpfen die Frauen natürlich nicht mehr für derartige Belange und doch schockiert einen die Agenda aus den letzten Jahren, wo weiterhin für grundlegende Rechte gefochten wird. Ein großes Thema weltweit ist das Verbot von Gewalt gegen Mädchen und Frauen. In Entwicklungsländern wenden sich viele Aufrufe auch gegen die Genitalverstümmelungen von Mädchen und die Zwangsverheiratung. In den westlichen Nationen wird vor allem für gleichen Lohn sowie ebenwürdige Karrierechancen eingestanden.

Ein Tag im Jahr ist zu wenig

Auch wenn es so etwas wie Vollblut-Emanzen nicht mehr gibt, ist es spannend zu erfahren, was die modernen Verfechterinnen für Frauenrechte zu dem Ehrentag meinen. Viviane Reding, luxemburgische EU-Kommissarin und Quoten-Befürworterin, stellte sich gegen „das Feigenblatt eines symbolhaften Tages“ und äußerte im März 2008 den Gedanken: „Solange wir einen Frauentag feiern müssen, bedeutet das, dass wir keine Gleichberechtigung haben. (…) Das Ziel ist die Gleichberechtigung, damit wir solche Tage nicht mehr brauchen.“ Zwei Jahre später sprach sie auch Alice Schwarzer, Gründerin und Herausgeberin der Frauenzeitschrift Emma, gegen den Weltfrauentag aus: „Schaffen wir ihn (…) endlich ab, diesen gönnerhaften 8.März! Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer.

Anlässlich des diesjährigen Weltfrauentages werden sich in Deutschland vor allem die Gespräche rund um Altersarmut der Frauen drehen, die polarisierende Einführung des Betreuungsgeldes, die durch Brüderle ausgelöste Sexismus-Debatte sowie den heutige Stand der Entwicklung der Gleichberechtigung.

Blümchen, Wodka und Schokolade

In Russland geht man sogar so weit, dass an diesem Tag die Arbeit ruhen darf. Die Männer besorgen ihren Frauen in der Regel sogar Blumen und etwas Süßes. Die Damen dürfen wie die Männer in Deutschland am Vatertag, ihren Alkohol-Gelüsten freien Lauf lassen und ordentlich feiern. Die politischen Motive und der Kampf für die Grundrechte sind dabei völlig in den Hintergrund geraten, obgleich es sicherlich auch dort Dinge zu beklagen gäbe. Der Revolutionsgeist der weiblichen Osteuropäer scheint im Laufe der etwa 100-jährigen Geschichte des Frauentages abhandengekommen zu sein. Heißt das jetzt, dass sie uns im Ziel voraus sind, oder nur des Kampfes müde?

Wie andere Länder den Internationalen Frauentag begehen, finden Sie beim Klick auf folgende Übersicht: Wie wird der Weltfrauentag gefeiert?