Zum vierten Mal in Folge führt Island das Overall Ranking der 111 Länder des Global Gender Gap Report des World Economic Forums an, gefolgt von Finnland, Norwegen und Schweden. Laut des Reports konnten die führenden nordischen Staaten die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern um über 80% verringern. Deutschland dagegen fiel 2012 auf Platz 13 (2011 Platz 11) zurück.

Das Geheimnis Islands ist offenbar eine Frauenquote, die es zusammen mit einem modernen Elternzeitgesetz ermöglicht, eine Führungsposition mit Kind und Familie zu vereinbaren. So schafft der Staat Strukturen, die auch Männer zu unternehmerischen »Risikofaktoren« werden lassen, da sie Auszeiten nehmen und insgesamt mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen. Der eigene Anteil am Elterngeld darf in Island nicht an den Partner übertragen werden und wird nur im Fall einer echten Auszeit gewährt.

Zur nordischen Vorreiterrolle schreibt Der Väter Blog: »Die Isländer legen väterpolitisch in Europa wieder einen Benchmark vor: nicht nur eine Verlängerung der bezahlten Elternzeit von 9 auf 12 Monate, sondern sogar eine Änderung der bisherigen Zeit-Drittelung auf … fünf Monate für die Mutter, fünf für den Vater und 2 Monate zur freien Verfügung«. Damit ist für Unternehmen das Risiko in Bezug auf den potenziellen Ausfall durch Elternzeit bei Rekrutierung von Frauen und Männern gleich.

Ohne Anreiz gewinnt die klassische Rollenverteilung

In Deutschland hingegen lässt sich der Anspruch auf das Elterngeld durch zwei Partnermonate auf 14 Monate erhöhen, womit kein Risikoausgleich für Unternehmen absehbar ist. Da es für Männer keinen finanziellen Anreiz gibt, mehr als zwei Monate Elternzeit zu nehmen, kann ein Unternehmen erfahrungsgemäß davon ausgehen, dass die zwölf Monate der Elternzeit von der Frau übernommen werden. Daher gibt es auf dem Karriereweg im sogenannten „Risikoalter“ wenig Chancengleichheit.

Birna Karadottir, Investmentbankerin aus Reykjavík, findet außerdem: »Männer rekrutieren Männer, wenn sie immer nur unter Männern sind«. Um diese gewohnten Strukturen aufzubrechen, sei eine gesetzliche Frauenquote ein probates Mittel.

Mit ungefähr 300.000 Einwohnern ist Island nicht mit Deutschland vergleichbar: Es ist ein kleines Land mit kurzen Wegen, die vieles vereinfachen, vor allem die Erreichbarkeit untereinander. Und doch gibt Island ein nachahmenswertes Beispiel, wie gutdurchdachte Gesetzesänderungen Konventionen brechen und Gleichstellung zwischen den Geschlechtern schaffen können.