Die modernen Frauen wollen alles – und können es auch haben. Oder doch nicht? Erfolgreiche Managerinnen, die ihre Karriere und das Familienleben unter einen Hut bekommen, suggerieren dass es geht. Um eine eindeutige Antwort auf die Frage „Can we have it all?“ zu finden, ist es vielleicht noch zu früh.

Viel wird diskutiert über die Frage, ob Frauen alles haben können. Karriere und Familie ist damit gemeint – beides voll und ganz und am besten zur selben Zeit. Die meisten modernen Frauen wollen das und stehen damit zum Teil vor großen Problemen. Vor allem dann, wenn der Partner auch beides will. Oder zumindest das eine: die Karriere. Denn spätestens, wenn sich die Frage stellt, wer holt den Nachwuchs aus dem Kindergarten und bleibt zu Hause, wenn er krank ist, verfallen die meisten Paare in die altbekannten Muster. Das bedeutet sie bleibt zu Hause und er verdient das Geld.

Für immer mehr moderne Frauen ist das keine Option mehr. Sie versuchen den Spagat zwischen Büro und Spielplatz hinzubekommen und schaffen es mitunter auch. So sieht es zumindest auf den ersten Blick aus. Auf den zweiten Blick kommt das Bild oft ins Wanken. Es ist Zeit aufzuhören, uns etwas vorzumachen, schreibt Anne-Marie Slaughter daher in ihrem Artikel Why Women Still Can’t Have It All. Die Politikwissenschaftlerin kehrte nach 18 Monaten von ihrem Traumposten im US-Außenministerium zurück zu ihrer Familie und zu einem Posten als Professorin an der Elite-Universität Princeton. Weniger einflussreich, weniger im Fokus der ganzen Welt, dafür zu Hause und nah bei den beiden Kindern. Das macht viele Frauen auf Dauer offensichtlich doch glücklicher als der uneingeschränkte Erfolg im Job.

Keinen Spaß an den eigenen Kindern

Bei den Männern, vor allem solchen, die Väter sind, sieht es etwas anderes aus, glaubt man Toby Young. Er verrät im The Telegraph, warum Männer gar nicht alles wollen. Ihn bedrückt nicht die Angst, zu wenig Zeit mit seiner Familie zu verbringen, sondern viel mehr die, sich nicht ausreichend um seine Karriere zu kümmern. Als freier Journalist mit vier Kindern, der zu Hause arbeitet, ist er vielleicht nicht der Prototyp des Karriere-Familienvaters, der erst nach 21 Uhr nach Hause kommt. Aber er hat eindeutige Gründe dafür, warum er sich immer mehr nach einem Büro sehnt, in das er „flüchten“ kann. Es macht mir nicht besonders viel Spaß, Zeit mit meinen Kindern zu verbringen, gibt Young offen zu. Und er glaubt, dass es vielen Männern so geht.

Dass Frauen anders fühlen, ist für ihn eine Frage der Schuld. Er glaubt nicht, dass es Müttern mehr Spaß macht, sich um die Kinder zu kümmern und auf sie aufzupassen. Sie können nur aus ihrem Job nicht so viel Befriedigung ziehen, weil sie ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie zu wenig Zeit mit der Familie verbringen. Und diese Schuldgefühle sind laut Young kein Ergebnis der Gesellschaft, sondern in der weiblichen DNA kodiert. In einem ist er sich mit Anne-Marie Slaughter einig: Männer entscheiden sich eher für die Karriere auf Kosten der Familie, Frauen entscheiden sich für die Familie auf Kosten des Jobs. Beides zu bekommen, ob man es nun will oder nicht, wird schwierig.