Die Jahrzehnte, in denen wir Frauen nur durch einen Schrägstrich, ein großes „I“ oder gar durch eine Fußnote vom anderen Geschlecht getrennt wurden, sind nun vorbei. Zumindest an der Universität Leipzig. Hier geht nach 600 Jahren der Männerdominanz die Emanzipation in die nächste Runde. Zukünftig wird es hier nur noch Berufsbezeichnungen in weiblicher Form geben, die Herren sind dann automatisch mit eingeschlossen. Schließlich steckt das Wort Professor ja auch in Professorin mit drin – und nicht umgekehrt.

Die Argumentation der BefürworterInnen der Leipziger Variante ist allerdings eine etwas andere. „Ich sehe das eher als Notwehr“, sagt Professorin Friederike Maier im Interview mit dem duz. Die Berliner Ökonomin der Hochschule für Wirtschaft und Recht antwortet damit auf die Frage, ob sie den Beschluss als Fortschritt für die Frauen sehe. Sie fühlt sich durch eine Fußnote, die darauf hinweist, dass die männliche Berufsbezeichnung ebenso für die weibliche Form gelte, nicht angesprochen. „Wenn wir Frauen klagen, dass wir uns ausgegrenzt fühlen, dann ruft das in der Regel ein mildes Lächeln der Kollegen hervor. Jetzt läuft das mal andersrum“, bestätigt Frau Prof. Dr. Maier ihre Befürwortung der neuen Sprachregel. Wie Du mir so ich Dir! lautet also die neue Ansage der Genderpolitik. Ob das irgendwann zu einer sinnvollen Regelung führt, wird sich zeigen.

Auslöser der Debatte, die zum Ziel ohne Weg führte, war ein Physikprofessor, der eine leidige Diskussion im erweiterten Senat der Universität Leipzig beenden wollte und daher den Vorschlag brachte, nur noch die weibliche Bezeichnung zu verwenden. Das Gremium stimmte dem sogenannten generischen Femininum zu. Zur Überraschung aller, einschließlich des Gleichstellungsbeauftragten Georg Teichert. „Ich hätte niemals gedacht, dass der erweiterte Senat das beschließt, denn bei anderen Themen zur Familienfreundlichkeit und Frauenförderung ist er sonst eher behäbig“, sagt er. Aber er ist auch skeptisch:  „Nur weil die Grundordnung geändert wird, ändert sich noch nichts an den tatsächlichen Verhältnissen.“ Der Änderung, die der erweiterte Senat bereits Mitte April beschlossen hat, stimmte Anfang Mai auch das Rektorat um Professorin Dr. Beate Schücking zu. Die Grundordnung tritt in Kraft, wenn das Wissenschaftsministerium nicht innerhalb von vier Monaten eine Änderung fordert. Es sieht aber nicht so aus, als könne das passieren. Die Freie Welt weiß zu berichten, dass das Ministerium die sprachliche Neuerung nicht zu beanstanden gedenkt, weil diese der Autonomie der Universität unterliege. Es handele es sich dabei mehr um eine „Geschmacks- als Rechtsfrage“. Ob sich die Studentinnen der Universität Leipzig, die zu 60 Prozent weiblich sind, mit der neuen Regelung wohl fühlen, wird sich zeigen.

Die Sprachreform könnte auch auf andere Städte überschwappen – zum Beispiel nach Berlin. Zumindest äußerte sich die Frauenbeauftragte der Freien Universität Berlin, Mechthild Koreuber, im Tagesspiegel positiv über die Leipziger Entwicklung. „Das ist eine interessante Idee – vor allem vor dem Hintergrund, dass derzeit etwas rückläufig mit der geschlechtersensitiven Sprache umgegangen wird.“ Ganz neu ist die Diskussion zum generischen Femininum ja auch nicht. Bereits im November letzten Jahres gab es eine Aktionswoche zu diesem Thema. Von den Universitäten ist es dann auch nicht mehr weit zu anderen öffentlichen Bereichen. „Was wird mit unserem Flughafen, Herr Bürgermeisterin“, ist vielleicht bald in der Berliner Presse zu lesen.