Ein Kommentar von Manuela Teinert

In den vergangenen Monaten beriefen Unternehmen – häufiger als in der Vergangenheit – Frauen in ihr oberstes Kontrollgremium Aufsichtsrat. Dennoch sind Frauen in deutschen Aufsichtsräten nach wie vor unterrepräsentiert. Der VdU – Verband deutscher Unternehmerinnen führte in diesem Zusammenhang ein dreijähriges Projekt „Stärkere Präsenz von Frauen in Aufsichtsgremien“ durch, welches im März 2013 zu Ende ging. Das wenig überraschende Fazit: Alle persönlichen Parameter erfolgreicher Aufsichtsratsarbeit sind weder männliche noch weibliche Spezifika: Nutzbringende und professionelle Aufsichtsratsarbeit fußt auf persönlicher Unabhängigkeit, um auch unbequeme Fragen stellen zu können. Verlässliches Zeitmanagement, fachliche Kompetenz und Branchenkenntnis runden das Profil eines Aufsichtsrates ab.

Höhere Führungspositionen verlangen entsprechendes Führungsverhalten, Auseinandersetzung mit Kollegen oder Machtkämpfe um Mittel und Möglichkeiten. Aktuell setzen sich die deutschen Aufsichtsgremien überwiegend aus Männern zusammen. Woran liegt es, dass vorhandene Potentiale hochqualifizierter weiblicher Führungskräfte und Unternehmerinnen in der Wirtschaft verloren gehen? Wer braucht die Quote: die Frauen oder tatsächlich die Wirtschaft? Oder anders gefragt:

Was müssen Frauen tun, die die Pole-Position anstreben? Die Antwort lautet: Sie müssen einfach WOLLEN! Sie müssen den Willen zur Macht entwickeln, das heißt direktiv auftreten, und sie müssen es an entsprechender Stelle kommunizieren.

Studien belegen, dass der Anteil hochqualifizierter Frauen heute deutlich höher als noch vor 40 Jahren ist. Wenn sich mehr Frauen in die aktuell noch männlich geprägten Führungsteams mischen, führt dies zu einer größeren Bandbreite von Führungsstilen. Das bietet mehr Chancen, unseren wirtschaftlichen Herausforderungen gewachsen zu sein. Die Wirtschaftswissenschaft zeigt, gemischte Führungsteams steuern Unternehmen nachhaltiger. Aber weiblich zu besetzende anspruchsvolle Führungstätigkeiten benötigen Vorbilder und eine leistungsfördernde und motivierende Atmosphäre. Die gesellschaftlichen Umstände fordern einen Wandel der Wirtschaftskulturen im Wahrnehmen, Denken und Verhalten. Wichtige Voraussetzung ist eine frühe Frauenförderung, zum Beispiel in der mittleren Managementebene, um „Sie“ in Führung zu bringen. Potenzielle Kandidatinnen müssen gezielt von ihrer Chefin oder ihrem Chef angesprochen und ermutigt werden. Ohne (weibliche) Vorbilder ist es allerdings für kompetente Frauen eine größere Überwindung eine Führungsrolle überhaupt einzunehmen.

Um mehr weibliche Vorbilder zu fördern, kooperieren der Verband deutscher Unternehmerinnen und das Steinbeis-Transferzentrum in Baden-Württemberg. Im Netzwerk „Frauen in Aufsichtsräten“ führen beide Institutionen ein so genanntes Spitzenportal zur Vermittlung von Frauen in Kontrollgremien. Sie verfolgen damit das Ziel, Rollenvorbilder für Aufsichtsräte, Kuratorien und Beiräte im Mittelstand zu schaffen. Mit Mut, Durchsetzungswillen und beruflichen Kenntnissen und Fertigkeiten können sich interessierte Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen mit ihrem vollständigen Qualifikations- und Kompetenzprofil in die VdU-Vermittlungsdatenbank eintragen. Bereits zum Abschluss des dreijährigen Projektes fasste der nicht-öffentliche Pool des VdU Profile von über 600 hochqualifizierten Kandidatinnen. Den Teilnehmerinnen steht das Angebot offen, an Schulungen zur Übernahme eines Mandats und an Medientrainings teilzunehmen. Damit schaffen sie sich am Markt ein bedeutendes Alleinstellungsmerkmal. Erste Teilnehmerinnen des Programmes wurden bereits in Aufsichtsräte berufen.

Meine Empfehlung an führungsstarke Frauen in der Wirtschaft: Werden Sie aktiv! Die Wirtschaft braucht mehr Frauen in den Aufsichtsgremien – die sowohl als Vorbilder über alle Hierarchiestufen hinweg herausragen als auch für die Steuerung von Unternehmen und Institutionen. Es tut nicht weh. Im Gegenteil, Sie werden Unterstützung erfahren.

 

Manuela Teinert ist betriebswirtschaftliche Beraterin mit Schwerpunkt auf Finanzen, Administration und Menschen in Veränderungsprozessen.