Wer hätte gedacht, dass es die Bratwurst einmal bis in die Sexismus-Debatte schaffen würde? Die EDEKA-Tochter Rasting hat dem beliebten Nahrungsmittel der Deutschen nun zu einem solchen Ruhm verholfen. In zahlreichen Beiträgen bekannter Medien ist die Gender-Bratwurst der Supermarktkette Thema gewesen. Auch die Süddeutsche Zeitung hat dem Grillgut zwei Artikel gewidmet. Als Fleischgewordener Sexismus wird die geschlechterspezifische Werbung bezeichnet, mit der EDEKA seine Bratwürste vermarktet. Kräftig gewürzt für den Herren, besonders mager und mit viel Gemüse für die Dame. Zusätzlich ziert die Packung der Männerbratwurst eine vollbusige Frau mit Teufelshörnern. Die weiblichen Grill-Liebhaber dürfen sich über einen tätowierten Waschbrettbauch freuen, der einem muskulösen Mann mit Engelsflügeln gehört.

Ein Marketing-Gag, der auf der nächsten Grillparty eventuell für ein bisschen Gelächter sorgen soll – könnte man vermuten. Viele Frauen finden das aber nicht lustig, sondern fühlen sich diskriminiert von dem „dumpfen Sexismus“. So klingt es zumindest in dem offenen Brief, den die Journalistin Susanne Enz an die Verantwortlichen der diskriminierenden Bratwurst gesendet hat. Ihr Vorwurf: Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen werden hier „in Stein gemeißelt. Frauen sollen gefallen, Männer dürfen genießen.“ Dadurch käme es zu einer „hierarchischen Rollenverteilung zugunsten der Männer“. Den Frauen würde also mit der Bratwurst-Werbung suggeriert, ihre Rolle sei es, gut auszusehen. Und dazu müssten sie Gemüse und mageres Fleisch zu sich nehmen. Dass eine gute Figur unmittelbar mit der Ernährung zusammenhängt, war uns auch schon ohne die EDEKA-Werbung klar. Vermutlich greifen Frauen gerade aus diesem Grund sowieso häufiger zu Gemüse, fettarmen Produkten und magerem Fleisch. Das nun beim Namen zu nennen ist sexistisch.

Kann man den Frauen von heute nicht zutrauen, dass sie selbst entscheiden können, ob sie eine Frauen-Bratwurst kaufen möchten oder nicht? Die meisten werden sich vermutlich von dem Etikett auf der Verpackung sowieso nicht angesprochen fühlen, denn dieses ist mit dem erwähnten Motiv alles andere als appetitanregend. Welche Zielgruppe EDEKA genau ansprechen möchte, lässt sich schwer sagen. Billige Klischees gepaart mit billigem Design. „So sehr muss man seine Kunden erstmal verachten“, bringt Hektor Brehl das Problem auf den Punkt. Die Empfehlung an die Damenwelt allerdings, die Würste nicht zu kaufen, um sich zu emanzipieren oder es gar als dämlich zu betiteln, wenn sie es doch tut, schießt vielleicht etwas übers Ziel hinaus. „Männer und Frauen, die sich als gleichwertig empfinden, sollten beherzt zur geschlechtsneutralen Wurst greifen und den Gender-Blödsinn im Regal liegen lassen“ heißt es in einem Zeit-Artikel.

Den Marketing-Managern von EDEKA kann man jedenfalls gratulieren. Schneller kann man ein neues Produkt kaum bekannt machen. Wie haben sie es nur geschafft, ihre geschlechterspezifischen Würste seit dem letzten Sommer zu verstecken – lagen sie doch da auch schon in den Kühlregalen. Vielleicht wurden sie so spät entdeckt, weil sie gar nicht im gesamten Bundesgebiet zu kaufen sind, sondern nur in NRW.