Lange hat es nicht gedauert, bis das Modell des generischen Femininums nach dem Leipziger Vorbild nun auch auf andere Unis übergeschwappt ist. Die Universität Potsdam will nun auch ihre Geschäftsordnung so umstellen, dass darin nur noch weibliche Berufsbezeichnungen zu finden sind  – die natürlich die männliche mit einschließen.

Auf viel Anklang stößt die Potsdamer Entscheidung offensichtlich nicht. Gegenüber den Potsdamer Neuesten Nachrichten sagt die die Universitätssprecherin Birgit Mangelsdorf zu den bösartigen Kommentaren im Internet: „Wir erleben hier einen Shitstorm.“ Die Angst, ein männlicher Student könnte nun mit Studentin angeschrieben werden, oder gar ein Professor mit Professorin angeredet, entkräftet die Uni Potsdam in einer Pressemitteilung.Es „wird wie eh und je eine dem Geschlecht entsprechende Anrede gepflegt.  Anderslautende Darstellungen in der Presse sind falsch“, heißt es dort. Man kann sich auch schwer vorstellen, dass es in der Praxis tatsächlich anders aussehen könnte.

Ziel der sprachlichen Änderungen ist es, die durch Genderisierung „verhunzelten Texte“ wieder lesbarer zu machen, sagt Senats-Vizechef Fred Albrecht. Birgit Mangelsdorf hebt auch einen Vorbildcharakter für andere Satzungen der Universität hervor. Aber wozu brauchen andere Schriftdokumente – die im Zweifelsfall sowieso keiner liest – Vorbilder? Der Anteil weiblicher Professorinnen in Deutschland liegt bei unter 20 Prozent. Frauen in der Wissenschaft haben es zum Teil noch schwerer als in der Wirtschaft. Es fehlt also viel mehr an reellen Vorbildern als an einer komplizierten Sprachreform. Ein Wort in der Universitätssatzung wird in den Köpfen kein Bild einer Professorin oder Wissenschaftlerin produzieren, wenn es keine Frauen gibt, die es vorleben.

Die frauenpolitische Sprecherin und Mitglied im Bundesvorstand der Grünen, Astrid Rothe-Beinlich, unterstützt die Bemühungen der Universitäten. Richtig und wichtig ist doch, dass auch Universitäten Maßnahmen ergreifen, die zur Gleichstellung – nicht zuletzt in der Sprache – beitragen. Welchen Weg sie dabei wählen, ist ihnen überlassen“, sagt Rothe-Beinlich dem Tagesspiegel.

Neben der sprachlichen Vereinfachung und der Bekundung, sich für Gleichstellung einzusetzen, hat vielleicht auch noch ein anderer Grund zu der Entscheidung in Potsdam geführt: die Angst vor dem Ärger mit den Feministinnen!