Frauen haben weniger Freizeit als Männer, da sie in der Regel neben dem Job noch den Großteil der Hausarbeit erledigen. Außerdem fehlen ihnen Vorbilder – unter anderem in den Fernsehnachrichten. Das könnten Gründe dafür sein, dass Frauen weniger Politikwissen haben als Männer.

Nachrichtensprecher, Experten und Interviewpartner in den Nachrichten sind meist männlich. Foto: flickr/sebibrux
Moderatoren, Experten und Interviewpartner in den Nachrichten sind meist männlich. Foto: flickr/sebibrux

Einer britischen Studie zufolge sind Frauen nicht so bewandert, was Politik angeht. Für die Untersuchung wurden Frauen in verschiedenen Ländern zu ihrem regionalen und internationalen Politikwissen und ihrem Medienkonsum befragt. Die zehn Länder sind über den gesamten Globus verteilt – Australien, Griechenland, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Korea, Norwegen und die USA. Das unerwartete Ergebnis: Überall auf der Welt sind Frauen weniger über das politische Geschehen informiert als Männer. Aber es gibt Unterschiede zwischen den Nationen. Der News Gender Gap ist zum Beispiel in Kanada größer als in Kolumbien, wobei man letzterem eine eher konservativere Rollenverteilung zuordnen würde.

Frauen kommen in den Nachrichten zu selten vor

Über die Gründe für den unterschiedlichen Wissenstand zwischen den Geschlechtern können nur vage Vermutungen angestellt werden. Der Verdacht liegt nahe, dass Frauen weniger Nachrichten konsumieren als Männer und demensprechend natürlich schlechter informiert sind. Diese Vermutung können die Wissenschaftler bestätigen. Aber warum schauen Frauen weniger fern und vor allen weniger Tagesschau und Co.? Ist es mangelndes Interesse? Oder eher fehlende Zeit? Es ist von allem ein bisschen. Im Durchschnitt haben die Frauen weniger Freizeit, da sie zum größeren Teil die unbezahlte Hausarbeit erledigen – zusätzlich zum Job. Ein weiteres Problem ist, dass Frauen in den Nachrichten seltener vorkommen und sich deswegen nicht so stark davon angesprochen fühlen. Sie werden seltener interviewt oder zitiert. Und wenn keine Vorbilder vorhanden sind, ist eher das Gefühl präsent: ich kann eh nichts bewirken. Nachrichten lesen, hören oder schauen ist also eine männliche Beschäftigung, und diejenigen, die am besten Bescheid wissen sind ältere Herren in den entwickelten Industrienationen. So das Ergebnis der Studie des Economic & Social Research Council.

Die Methode war in allen Ländern gleich, um vergleichbare Daten zu erhalten. Die Wissenschaftler werteten die politischen Inhalte der größten TV-Nachrichtensender aus, außerdem der zwei auflagestärksten Zeitungen und einer führenden Nachrichtenseite im Internet. Anschließend wurde in zehn Fragen das Wissen über das jüngste Politikgeschehen via Onlinebefragung abgefragt. In Griechenland bediente man sich Telefonumfragen und in Kolumbien persönlichen Interviews.

Was lernen wir nun aus den Ergebnissen dieser Studie? Wenn Frauen sich mehr für Politik interessieren oder sich sogar engagieren sollen, müssen mehr Vorbilder in den Medien her. Andererseits muss sich auch jemand um Kinder und Haushalt kümmern. Und was nützt es uns, wenn wir jedem Minister Namen und Gesicht zuordnen können, aber keine Zeit mehr für Freunde oder Sport haben – und unsere Karriere?