Dass Männer und Frauen verschieden sind, möchte sicher keiner bezweifeln. Auch verschiedene Karriereeigenschaften werden ihnen nachgesagt und unterschiedliche Führungsstile. Aber wählen sie auch unterschiedlich? Gehen Frauen überhaupt wählen? Angeblich sind sie ja nicht so sehr an Politik interessiert, glaubt man manchen Studien.

Noch zum Ende des letzten Jahrhunderts schlossen 94 Prozent der Frauen für sich selbst aus, einer Partei beizutreten, im 15. deutschen Bundestag, der 2002 gewählt wurde, waren immerhin knapp ein Drittel der Mitglieder weiblich. Um der Politikverdrossenheit von Frauen weiter entgegenzuwirken, müssen Vorbilder her. Mit Angela Merkel als Bundeskanzlerin ist zumindest auf politischer Ebene für ein Vorbild gesorgt. Das war allerdings nicht von Anfang an so. Bei der für sie entscheidenden Wahl im Jahr 2005 erhielt sie von den Wählerinnen erkennbar weniger Stimmen als ihr Kontrahent Gerhard Schröder. Als Grund werden unter anderem die Inhalte ihres Wahlkampfes genannt: Finanz- und Wirtschaftspolitik. Familienpolitik kam dabei zu kurz. Aber es ist auch nicht die Aufgabe von Frauen, die politische Ämter übernehmen, „für Fraueninteressen einzustehen“, argumentiert Antje Schrupp gegen den Aufruf, Frauen sollten Frauen nicht wählen, die nicht für ihre Interessen kämpfen.

„Frauen wählen emotionaler“, sagt Marketingexperte Michael Kliebenstein. Und tatsächlich liegen die für sie relevanten Themen eher im Bereich Bildungs- und Familienpolitik, bestätigt er die Vermutung. Finden wir hier also mal wieder ein Klischee: Frauen liegt die Familie und die Bildung ihrer Kinder am Herzen, Männer denken eher an sich selbst und an ihr Unternehmen? Von sozialem Wählen kann allerdings nicht wirklich die Rede sein, glaubt man seinen Thesen. Demnach spielt Stutenbissigkeit bei der Wahlentscheidung weiblicher Bürger eine nicht unerhebliche Rolle. Besonders junge und attraktive Frauen hätten es schwer, von Frauen gewählt zu werden. Wählen Frauen also doch weniger nach Inhalten als nach Geschlecht und Sympathie?

Betrachtet man die jüngste Bundestagswahl, kann man diese Behauptung eigentlich nicht stützen. Im gesamtdeutschen Schnitt durch alle Altersklassen zeigt sich, Frauen haben mindestens genauso häufig ihr Kreuz für die Partei von Bundeskanzlerin Angela Merkel gesetzt, wie die männlichen Wähler. Trotz Frau an der Spitze und obwohl Frauen eigentlich lieber links wählen. Hat sich Angela Merkel in den letzten acht Jahren doch eine Vorbildrolle erarbeitet? Oder sind die politischen Belange von Männern und Frauen im Mittel doch gar nicht so verschieden? Die Verteilung der weiblichen Stimmen auf die einzelnen Parteien erscheint jedenfalls auf den ersten Blick wenig geschlechterspezifisch.