Männlich und weiblich sind anerzogene Eigenschaften. Oder doch nicht? Eine Forschergruppe aus Pennsylvania hat kürzlich Ergebnisse veröffentlicht, die zeigen, dass die Gehirne von Männern und Frauen für unterschiedliche Prozesse optimiert sind. Dass Männer besser einparken und Frauen besser zuhören können, ist also womöglich doch kein Klischee.

Die neue alte Erkenntnis amerikanischer Hirnforscher: Frauen und Männer ticken unterschiedlich. (Bild: flickr/dirk schaefer)
Die neue alte Erkenntnis amerikanischer Hirnforscher: Frauen und Männer ticken unterschiedlich. (Bild: flickr/dirk schaefer)

Männer können Bewegungen besser koordinieren, Frauen haben ein größeres Einfühlungsvermögen. Vergleiche dieser Art gibt es unendlich viele. Dass es Eigenheiten der Geschlechter gibt, möchte auch kaum jemand bestreiten. Wie diese zustande kommen, ist viel mehr die Frage, die Diskussionen auslöst. Eine ganze Reihe von Sozial- und Naturwissenschaftlern versuchen immer wieder aufs Neue, darauf eine Antwort zu finden. Liegt es daran, dass Mädchen und Jungen unterschiedlich erzogen werden? Oder sind die Gehirne von Männern und Frauen einfach auf verschiedene Weise programmiert?

 

Verfechter des Gender-Mainstreaming gehen davon aus, dass alles was typisch männlich und typisch weiblich ist, anerzogen wurde – und dementsprechend auch wieder aberzogen werden kann. Gegner dieser Gender-Theorie hingegen halten es für gefährlich, das angeborene Geschlecht mit seinen Besonderheiten zu ignorieren. Gender-Mainstreaming, also das konsequente Gleichmachen von Jungen und Mädchen, kann nämlich krank machen, warnt der Neurowissenschaftler Manfred Spreng. Er nennt es Vergewaltigung der sexuellen Identität. Und findet nun Bestätigung in neuen Forschungsergebnissen aus der Universität Pennsylvania.

Dort hat Madhura Ingalhalikar – übrigens eine Frau – herausgefunden, welche unterschiedliche Funktionsweise die Gehirne von Männern und Frauen aufweisen. Die Hirnforscherin und ihr Team haben dazu 949 Kinder und Jugendliche untersucht, indem sie mit einem bildgebenden Verfahren Wassermoleküle im Gehirn verfolgt haben, um darüber Rückschlüsse auf den Verlauf der Nervenbahnen zu ziehen. Das Ergebnis: bei den männlichen Probenden war mehr Aktivität innerhalb einer Gehirnhälfte zu beobachten, bei den untersuchten Mädchen und jungen Frauen wurde ein erhöhter Informationsaustausch zwischen den beiden Hemisphären festgestellt. Und das wiederum ist unter anderem der Grund dafür, warum Männer ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen haben, Frauen sich besser Namen und Gesichter merken können.

Glaubt man hingegen der amerikanischen Psychologin Janet S. Hyde, dann gibt es eigentlich keine signifikanten Differenzen zwischen den Geschlechtern – weder anerzogen, noch biologisch begründet. Ein paar wenige hat sie entdeckt, nämlich dass Frauen weniger aufgeschlossen sind gegenüber One-Night-Stands und dass sie seltener masturbieren. Aber das sollte wohl kaum bei der Frage ins Gewicht fallen, warum Männer häufiger Karriere machen als Frauen.