Frau Ostermann, was ist das Beste daran, seine eigene Chefin zu sein?
Das Beste daran ist, unabhängig zu sein, auf seinen eigenen 2 Beinen zu stehen und seine eigenen Entscheidungen zu treffen.

Marie-Christine Ostermann leitet seit 2006 das 1923 gegründete Familienunternehmen Rullko zusammen mit ihrem Vater.
Marie-Christine Ostermann leitet seit 2006 das 1923 gegründete Familienunternehmen Rullko zusammen mit ihrem Vater.

Die wichtigste Eigenschaft, die man als Unternehmerin mitbringen sollte?
Die wichtigste Eigenschaft, die ich als Unternehmerin brauche, ist Mut! Denn Unternehmertum ist auch immer mit Risiko und viel Verantwortung verbunden.

Aus welchem Fehler haben Sie am meisten gelernt?
Als ich mit 28 Jahren in unser Familienunternehmen Rullko, einen Lebensmittelgroßhandel mit 150 Mitarbeitern in Hamm, als geschäftsführende Gesellschafterin eingestiegen bin, haben mein Vater und ich uns als Geschäftsführung manchmal nicht genügend abgestimmt und unterschiedlich gehandelt. Das hatte in einer bestimmten Situation meine Glaubwürdigkeit bei den Mitarbeitern gemindert. Seitdem diskutieren mein Vater und ich Meinungsverschiedenheiten unter 4 Augen und stimmen uns regelmäßig ab. Nach außen treten wir gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern immer geschlossen auf.

In welchen nützlichen Business-Netzwerken sind Sie?
Die Familienunternehmer ASU, Die Jungen Unternehmer BJU, Family Business Network, Baden Badener Unternehmergespräche.

Welches waren die drei wichtigsten Kreuzungen in Ihrem Leben und wer oder was hat Sie an diesem Punkt beeinflusst?
Dass ich unser Familienunternehmen Rullko gerne später einmal in 4. Generation leiten möchte, wusste ich schon von Kindheitszeiten an und habe meinem Vater diesen Wunsch bereits mit 16 Jahren mitgeteilt. Wichtig für mich war, mich sehr gut auf die Rolle als geschäftsführende Gesellschafterin vorzubereiten. Für mein größtes Ziel waren 3 Kreuzungen in meinem Leben besonders wichtig und prägend:

  1. Durch das Bestehen der Aufnahmeprüfung an der Universität St Gallen hatte ich die Möglichkeit, eine erstklassige Wirtschaftsausbildung zu bekommen. Das Studium der Betriebswirtschaftslehre in St Gallen hat mich sehr geprägt und mir die Grundlage gegeben, meine Aufgaben heute gut meistern zu können.
  2. Durch das Trainee-Programm bei Aldi Süd habe ich alles Wichtige über den Lebensmittelhandel gelernt, habe selbst überall mit angepackt und von Anfang an viel Führungsverantwortung übernommen. Das theoretische Wissen aus meinem Studium konnte ich so sehr gut mit Praxiserfahrungen aus der Lebensmittelbranche außerhalb des eigenen Familienunternehmens ergänzen.
  3. Durch den Bundesvorsitz von DIE JUNGEN UNTERNEHMER BJU von 2009-2012 habe ich mir ein ganz eigenes, öffentliches Profil erarbeitet. Das hochkarätige Netzwerk und die Kompetenzen im Bereich Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeitsarbeit, welche ich mir in dieser Zeit aneignen konnte, nützen mir noch heute sehr.

Die ideale Businesskleidung?
Die ideale Businesskleidung ist Kleidung, die zum entsprechenden Anlass passt. Im Büro trage ich im Alltag gerne Kombinationen aus Hose oder Rock mit Blazer und Top oder Bluse. Ich bevorzuge einen Mix aus sportlich-eleganter Kleidung. Dazu trage ich Stiefel oder Ballerinas, manchmal Pumps und eine schicke, große Handtasche, wo auch mein iPad mit reinpasst. Ich trage gerne bunte, warme Farben, nicht so viel schwarz und grau.

Marie-Christine Ostermann (36) war von 2009 bis 2012 Bundesvorsitzende des Verbandes DIE JUNGEN UNTERNEHMER – BJU. Im April 2013 wurde sie ins Präsidium von DIE FAMILIENUNTERNEHMER – ASU e.V. berufen. Im Jahr 2006 stieg sie als geschäftsführende Gesellschafterin beim Lebensmittelgroßhandel Rullko Großeinkauf GmbH & Co. KG ein und leitet seitdem das Familienunternehmen gemeinsam mit ihrem Vater Carl-Dieter Ostermann (www.rullko.de). Seit 2010 gehört sie dem Mittelstandsbeirat des Bundeswirtschaftsministeriums an und ist außerdem seit Juli 2010 Aufsichtsratsmitglied der Optikerkette Fielmann AG.