Seit 2009 leitet Kathrin Wickenhäuser das Hotel Cristal in München in vierter Generation.
Seit 2009 leitet Kathrin Wickenhäuser das Hotel Cristal in München in vierter Generation.

Frau Wickenhäuser, was ist das Beste daran, seine eigene Chefin zu sein?

Ich schätze die Gestaltungsfreiheit, die das Unternehmertum mit sich bringt. Ich kann Entscheidungen viel schneller treffen als ich in einem großen Konzern die Möglichkeit dazu hätte. Als ich unser Hotel Cristal von meinem Vater übernommen habe, legte ich großen Wert darauf, eigene Ideen umsetzen zu können. Das bringt natürlich auch mit sich, dass man allein für Fehlentscheidungen gerade stehen muss – aber ohne ein gewisses Maß an Risikobereitschaft ist Unternehmertum meiner Meinung nach nicht möglich.

Die wichtigste Eigenschaft, die man als Unternehmerin mitbringen sollte?

Ein offenes Ohr für seine Mitarbeiter zu haben und Anregungen von ihnen auch anzunehmen, halte ich für sehr wichtig. Gerade in der Hotellerie und Gastronomie hängt das Wohlbefinden unserer Gäste stark von unseren Mitarbeitern ab – nur ein zufriedener Gast kommt gerne wieder. Insofern greife ich auch Ideen aus unserem Team auf und motiviere meine Mitarbeiter zu Eigenverantwortung und Selbstständigkeit. Einer Idee unseres Verkaufsleiters ist es zum Beispiel zu verdanken, dass wir im vergangenen Winter eine Eisstockbahn und eine Almhütte auf unserer Dachterrasse hatten – ein ausgezeichneter Ort für Firmenevents oder Familienfeiern. Mitarbeiter, die sich ernst genommen fühlen und wissen, dass sie etwas im Unternehmen bewegen können, sind dem Unternehmen eng verbunden – ein deutlicher Wettbewerbsvorteil, vor allem in Zeiten des Fachkräftemangels.

Aus welchem Fehler haben Sie am meisten gelernt?

Als junge Unternehmerin macht man natürlich nicht immer auf Anhieb alles richtig. Wichtig ist nur, wie man mit Fehlern und Rückschlägen umgeht. Ich versuche, Fehlern auch etwas Positives abzugewinnen und für die Zukunft daraus zu lernen. Auch im Umgang mit meinen Mitarbeitern halte ich es so: Fehler passieren und sie dürfen auch passieren. Unterläuft einem Mitarbeiter ein Fehler, sprechen wir offen darüber und überlegen, wie man diese in Zukunft vermeiden kann.

In welchen nützlichen Business-Netzwerken sind Sie?

Als Vize-Präsidentin der IHK München und Oberbayern engagiere ich mich sehr für den Mittelstand. Ein starkes Netzwerk ist meiner Meinung nach ein wichtiges Rückgrat für den unternehmerischen Erfolg. Durch mein soziales Engagement, zum Beispiel als bayerische Ausbildungsbotschafterin, komme ich täglich mit spannenden Persönlichkeiten zusammen, die den eigenen Horizont erweitern und auf neue Ideen bringen.

Welches waren die drei wichtigsten Kreuzungen in Ihrem Leben und wer oder was hat Sie an diesem Punkt beeinflusst?

Zu den wichtigsten Kreuzungen in meinem Leben zählt die Stabübergabe für unser Hotel Cristal von meinem Vater auf mich. Wir haben diese Übergabe lange vorbereitet. Ich kannte den Betrieb als auch die Mitarbeiter bereits bestens aus meiner Arbeit als Marketingleiterin. Anfangs musste ich mir dennoch den Respekt mancher langgedienter Mitarbeiter erst erarbeiten. Mit viel Sachverstand und Leidenschaft für die Belange des Betriebs konnte ich sie aber schnell von meiner Ernsthaftigkeit überzeugen. Ich wollte das Hotel nicht nur übernehmen, sondern es zusammen mit meinem Mann Alexander Egger erfolgreich in die Zukunft führen – und das geht nicht ohne den Rückhalt und den Einsatz des gesamten Teams.

Die ideale Businesskleidung?

Die ideale Businesskleidung muss für mich zum Anlass passen, ohne dass man sich dabei verstellt. Als gebürtige Münchnerin kann ein traditionelles Dirndl bei manchen Geschäftsterminen passender sein als ein schwarzes Kostüm. Im Alltag trage ich Kleidung, die in meinem hektischen Tagesablauf bequem, aber trotzdem weiblich und stilvoll ist.

Kathrin Wickenhäuser ist Vorstand der Wickenhäuser & Egger AG, die in München das 4-Sterne-Hotel Cristal, das 2-Sterne-Hotel Dolomit, das 1912 Restaurant & Bar sowie das WE Tagungszentrum führt.
www.we-munich.de