Frau Specht, was ist das Beste daran, seine eigene Chefin zu sein?

Autonomie und die Möglichkeit, an neuen Erkenntnissen zu forschen. Bei Yellow Frog beschäftigen wir uns mit den Fähigkeiten von Menschen und den Kompetenzen von morgen. Das ist ein sehr komplexes Thema und mit großer Wahrscheinlichkeit wird die Erforschung des Menschen und zukünftigen Anforderungen eine Lebensaufgabe sein, die nie aufhört. Dafür müssen ich und meine Mitarbeiter Kompetenzdiagnostiker, Drehbuchschreiber, Entwickler und Visionäre sein, die, um der Schönheit und Komplexität von Fähigkeiten gerecht zu werden, sich von Eingebung zu Eingebung „hangeln“. Um es mit den Worten von Ben Gomes zu sagen, einer der einflussreichsten Vor-Denker von Google: „Für manche Fortschritte denke ich jahrelang nach. Das ist die Grundstrategie für alles, was wir tun: So lange dran bleiben, bis der große Sprung kommt“. Dass wir dies tun können, ist aus meiner Sicht das größte Privileg an der Selbständigkeit.

Miriam Specht hatte eine Vision, die sie erfolgreich in ihr eigenens Unternehmen umsetzen konnte: die Agentur Yellow Frog
Miriam Specht hatte eine Vision, die sie erfolgreich in ihr eigenens Unternehmen umsetzen konnte: die Agentur Yellow Frog

Die wichtigste Eigenschaft, die man als Unternehmerin mitbringen sollte?

Groß zu denken und sich selbst keine Grenzen zu setzen. Und die Fähigkeit, sich unabhängig vom Urteil anderer zu machen.

Aus welchem Fehler haben Sie am meisten gelernt?

Am Anfang meiner Arbeit bei Yellow Frog habe ich oft sogenannte „Experten“ nach ihrer Einschätzung gefragt. So hatte ich die Idee, eine Schülervermittlung zu gründen, um Unternehmen bei der Besetzung ihrer Auszubildendenstellen zu unterstützen. Da das noch keiner gemacht hatte, war ich unsicher und fragte bei der IHK in Stuttgart nach, wie sie das Potenzial für ihre Unternehmen einschätzen würden. Der Leiter der IHK winkte befremdet ab: „Kein Unternehmen wird für die Vermittlung eines Azubis bezahlen“. Ich verwarf damals meine Pläne. Heute ist es Realität, dass Unternehmen Prämien für die Vermittlung ihres Nachwuchses ausgeben. Ich habe aus dieser und einigen anderen Erfahrungen die Lehre gezogen, dass man für die eigenen Ideen, vor allem, wenn sie etwas Neues betreffen, immer auf die eigene Intuition hören sollte. Und dass es gut ist, skeptisch bei Ratschlägen zu sein – vor allem, wenn der Ansprechpartner Teil des Systems ist, das man selbst gerne verändern möchte. Die Azubivermittlung haben wir übrigens bei Yellow Frog wieder aufgegriffen und werden damit bald in Stuttgart an den Start gehen.

In welchen nützlichen Business-Netzwerken sind Sie?

Viele unterschiedliche, die meine Arbeit und Interessen wie meine Lehrtätigkeit und Psychoanalyse widerspiegeln. Aber auch andere Gruppen, wie Startup Stuttgart und den Social Media Club. Ich finde es gut und bereichernd, Vielfalt im Netzwerk zu haben.

Welches waren die drei wichtigsten Kreuzungen in Ihrem Leben und wer oder was hat Sie an diesem Punkt beeinflusst?

Kreuzung 1: Die Entscheidung als Lehrerin nicht in die Hauptschule, sondern in die Personalabteilung eines großen Unternehmens zu gehen und die Personaleinschätzung und -auswahl von der Pike auf zu lernen.

Kreuzung 2: Die Entscheidung psychoanalytische Ausbildungen zu absolvieren und dies als Lebensaufgabe zu betrachten, um der Erforschung der Ressourcen unserer Kandidaten gerecht zu werden.

Kreuzung 3: Mein Sohn, der mich jeden Tag lehrt, über welche besonderen Eigenarten der Mensch verfügt, wenn man ihn lässt. Mein Mann, der mich ermutigt hat, mich mit Yellow Frog selbständig zu machen, obwohl es zum damaligen Zeitpunkt nur eine Vision war.

Die ideale Businesskleidung?

Meine besteht fast ausschließlich aus Kleidern: Die Menschen, die mit mir zu tun haben, sollen durch unsere gemeinsame Arbeit inspiriert werden – das unterstreiche ich mit einem individuellen, prägnanten und femininen Kleidungsstil.

Vielen Dank!

Miriam Specht ist Gründerin und Inhaberin der Personalberatung Yellow Frog. Mit der Umsetzung ihrer Vision hat die Lehrerin mit therapeutischer Zusatzausbildung die Personalarbeit – sowohl für Unternehmen als auch für Kandidaten – auf eine neue Ebene transportiert.