Frau Buchheim, was ist das Beste daran, seine eigene Chefin zu sein?

Für mich ist es wichtig selbstbestimmt agieren zu können. Auf diese Weise kann man den Dingen, denen man selbst die höchste Bedeutung beimisst, auch die nötige Zeit einräumen. In meinen Augen die wichtigste Voraussetzung dafür, glücklich zu sein – und das kann ich als Unternehmerin sein.

Geschäftsführerin der Personalberatung i-potentials.
Constanze Buchheim ist Gründerin und Geschäftsführerin der Personalberatung i-potentials.

Die wichtigste Eigenschaft, die man als Unternehmerin mitbringen sollte?

Vermutlich gibt es nicht DIE wichtigste Eigenschaft. In meiner Wahrnehmung macht aber insbesondere die Haltung den Unterschied. Nur wer sich maßgeblich als Gestalter, nicht als Opfer der Umstände sieht, entwickelt die Kraft sich jeder Herausforderung zu stellen. Und davon gibt es gerade am Anfang viele.

Aus welchem Fehler haben Sie am meisten gelernt?

Es gab Zeiten, in denen wir an mehreren Geschäftsmodellen gleichzeitig gebaut haben, weil wir an die Synergien der Bereiche glaubten. Wir haben allerdings schnell verstanden, dass man nur exzellent werden kann, wenn man sich stark fokussiert und klar positioniert und man als cashflowfinanziertes Modell erst dann diversifizieren sollte, wenn die Kernnische erfolgreich erschlossen ist.

In welchen nützlichen Business-Netzwerken sind Sie?

In wenigen Formalen. Das relevanteste Netzwerk ist das eigene, das man sich fokussiert aufbauen sollte und in dem Business-Netzwerke immer nur eine Teilrolle einnehmen. Die Mitgliedschaft in der Entrepreneurs Organization bzw. den angedockten Programmen halte ich für sehr sinnvoll.

Welches waren die drei wichtigsten Kreuzungen in Ihrem Leben und wer oder was hat Sie an diesem Punkt beeinflusst?

2006 las ich die Bücher ‚ Never eat alone’ und ‚Rich Dad, Poor Dad’. Sie haben maßgeblich mein Denken über Geld verändert und mir die Bedeutung einer wirksamen Selbstpositionierung gezeigt. Damit wurde im Grunde genommen der Grundstein für die Überlegungen zu einer eigenen Unternehmensgründung gelegt.

2008 traf ich die Entscheidung meine Anstellung zu verlassen und i-potentials zu gründen. Mein damaliger Chef, Lukasz Gadowski, gab hierzu den finalen Anstoß – ohne seine Förderung und seinen Push hätte ich mich vielleicht aus Angst vor der eigenen Courage gegen die Gründung entschieden, insbesondere da ich zu dem Zeitpunkt schwanger war.

2012 hatten wir eine Phase der starken strategischen Umorientierung. In dieser Zeit wäre es leichter gewesen, etwas Neues zu starten, als das Unternehmen hart und aufwendig umzubauen. Heute bin ich froh, dass wir den harten Weg gegangen sind und ich habe gelernt, dass sich Langfristigkeit und Durchhaltevermögen auszahlen – zu viele geben zu früh auf, wenn es hart wird. Nur wer dann weitermacht, kann etwas Besonderes schaffen – dieses Prinzip habe ich vor allem von meiner Mutter mitbekommen: was man anfängt, macht man auch zu Ende.

Die ideale Businesskleidung?

Ich finde den Satz ‚dress for the job you want, not for the job you have’ absolut passend, weil der Gesamteindruck nunmal zählt und zeigen muss, dass man die Stufe einnehmen kann, in die man sich entwickeln will. Wichtig ist dabei aber auch, dass man sich selbst treu und authentisch bleibt und sich in seiner Haut wohl fühlt – nur dann kann man auch überzeugen.

Vielen Dank!

Die Personalberatung i-potentials wurde 2009 von Constanze Buchheim gegründet und ist auf die Besetzung von Positionen in der Digitalwirtschaft spezialisiert. Constanze Buchheim fungiert außerdem als Vorbild für Frauen, die ebenfalls den Schritt in die Selbständigkeit wagen möchten  – so zum Beispiel bei der Initiative „Frauen gründen“.