Mompreneurs nennt sich die neue Generation junger Mütter, die ihr eigenes Business starten, um flexibler den Alltag mit den Kindern gestalten zu können. Bettina Brown und Manuela Gaeth haben es ebenso gemacht und coomow.com gegründet. Im Interview erzählen sie, warum es sich lohnt, nachts zu arbeiten und weshalb sie sich gegen eine Seed-Finanzierung entschieden haben.

Manu und Betty von coomow
Manu und Betty von coomow sind das, was man heute als Mompreneurs bezeichnet: junge Mütter, die mit ihrem eigenen Unternehmen durchstarten und sich gleichzeitig mehr Raum für die Familie schaffen.

Wie seid ihr auf die Idee für Euer Startup gekommen?

Betty: Die Idee kam schon, als ich noch in England gelebt habe und mein erstes Kind zur Welt kam. Alles fing mit den Charlie Banana-Stoffwindeln an. Mein Mann und ich wollten den riesigen „Windelmüllhaufen“ umgehen, Geld sparen und gesundes Material für den Po unseres Sohnes haben.

Nach unserem Umzug nach Deutschland war mir klar, dass jetzt meine Chance ist, etwas auf die Beine zu stellen. Dann kam auch ganz schnell die Idee, eine Plattform zu kreieren, auf der ich nachhaltige Produkte für Babys, Kleinkinder und werdende Eltern anbieten möchte. Die Charlie Banana-Stoffwindeln bildeten den Grundstein unserer Produktpalette.
Gesagt getan! Dann kam Baby Nummer zwei und Manu als Geschäftspartnerin mit an Board.

Manu: Ja, wir haben uns ganz klassisch im Kindergarten unserer Kinder kennengelernt, uns miteinander ausgetauscht und gemerkt, dass wir beide ähnlich ticken und zusammen viel kreatives Potenzial haben. Zunächst haben wir das komplette Corporate Design und im Zuge dessen auch unseren Webauftritt neu gestaltet. Und nun sind wir auf dem Weg, unser Produkt-Portfolio zu erweitern und sind sehr aktiv im Social Media-Bereich, on- und offline.

Wie finanziert ihr Euch?

Betty: Wahrscheinlich entgegen aller Business-Ratgeber und dem momentanen Start-Up-Hype haben wir uns bisher alleine finanziert. Das ist eine große Herausforderung, aber wir glauben ganz fest, dass wir somit kreativer auf den Markt reagieren können. Wir können unser Geschäft so gestalten, wie wir möchten und bleiben weitestgehend unabhängig von finanziellen Verpflichtungen gegenüber Dritten. Somit geben wir unser Tempo selbst vor und können flexibel umlenken, falls etwas nicht so läuft wie es soll. Momentan trägt sich der Shop alleine und die Profite werden re-investiert.

Mutter und Unternehmerin – wie passt das zusammen?

Betty: In unseren Augen sind alle Mütter Heldinnen, ob im Angestelltenverhältnis oder als Unternehmerinnen. Ich habe sehr viele Mütter kennengelernt, die nach der Geburt ihrer Kinder einen großen Drang zur Veränderung verspürten. Sei dies, um ihre Zeit nun selbst einteilen zu wollen oder um neue Ideen zu verwirklichen.

Auf uns trifft beides zu. Als Mütter und Unternehmerinnen sind unsere Tage und Wochenenden sehr lang. Aber wir können unsere Kinder zu einer angemessenen Zeit aus der Kita abholen und entspannt den Nachmittag mit ihnen verbringen. Wenn die Kleinen dann im Bett sind, geht es mit der Arbeit weiter. Nur dass es sich nicht wie Arbeit anfühlt, sondern extrem viel Spaß macht. Somit kommen wir auch ganz leicht mal auf einen zehn Stunden Arbeitstag.

Es wird viel über Gleichberechtigung im Berufsleben diskutiert. Beruf und Kinder unter einen Hut zu bekommen, ohne sich selbst zu verlieren, ist eine Herausforderung, die allzu oft uns Frauen zufällt. Teilzeitstellen, Jobsharing – das wären gute Optionen für Mütter wie uns. In England z.B. funktioniert das bereits.

Manu: Wir haben allerdings bisher die Erfahrung gemacht, dass diese Modelle für unsere eigentlichen Berufsfelder mehr oder minder reine Theorie sind. Wir sehen nicht, dass es hierzulande ausreichend Firmen gibt, die hochwertige Jobs in Teilzeit von 30 bis 35 Wochenstunden zu einer angemessenen Bezahlung anbieten. Gerade alleinerziehende Mütter haben es schwer, weil sie zeitlich weniger flexibel sein können, aber den gesamten Lebensunterhalt allein bestreiten müssen. Als Unternehmerin ist dies allerdings möglich. Dass wir nun auch in den Abendstunden arbeiten, ist unsere Art von Flexibilität, die in unserem jungen Unternehmen dazugehört. Unser Motto: If you can’t find paradise, you’ll have to create it’.

Frauen gründen oft klein, mit wenig Risiko und wenig Wachstumsambitionen. Trifft das auf euch auch zu?

Betty: In meinem letzten Job habe ich viele Unternehmerinnen beraten und ihnen beim Aufbau ihres Business’ geholfen. Für die meisten war es schon ein Riesenschritt in die Selbständigkeit. Es stimmt einfach, dass die meisten Frauen wenig Risiko eingehen und klein starten. Das heißt aber nicht, dass sie keine großen Ambitionen haben. Viele Unternehmerinnen werden selbstbewusster im Laufe der Zeit und somit steigen auch ihre Ambitionen. In unserem Fall starten wir auch klein, aber das hat uns sehr geholfen, einen neuen Markt kennenzulernen, Fehler zu machen und aus diesen zu lernen.

Wie sehen eure Wachstumsvorhaben aus? Wo steht ihr in drei Jahren?

Manu: Momentan befinden wir uns noch in einer Review-Phase. Wir beobachten den Markt, hören unseren Kunden zu und lernen aus den bisherigen Erlebnissen. Das alles wird in einem neuen Business-Plan verpackt und von uns umgesetzt und weiterentwickelt.

Aber ganz kurz – wir haben sehr viele Ambitionen und wollen natürlich wachsen. Die Produktpalette soll sich erweitern, die Webseite soll dann auch auf Englisch umgesetzt werden, und wir werden in Zukunft eine Reihe von neuen Service-Angeboten zusammenstellen.

Betty: Dazu benötigen wir dann mehr Ressourcen. Unser Geschäftsmodell soll in drei Jahren aber auch dort angekommen sein: Ein erfolgreiches soziales Unternehmen, welches nicht nur für seine Kunden einen guten Service bietet, sondern auch für die Leute behind the scene.
Wir wollen ein Netzwerk von Müttern aufbauen, die mit uns zusammen diesen nächsten Schritt beschreiten wollen.

Welchen Fehler macht man nur einmal bei der Gründung eines eigenen Unternehmens?

Betty: Ganz einfach – dass man denkt, man kann alles alleine schaffen. Die Zeit die ich damals noch alleine verplempert habe, hätte ich zu Beginn in effektivere Arbeit stecken können.

Manu: Naja, wenn wir uns jetzt betrachten, hast du doch genau das getan. Coomow ist nun gerade mal zwei Jahre alt, seit Anfang dieses Jahres bin ich dabei. In Relation dazu, finde ich, hast du allein schon eine bemerkenswerte Vorarbeit geleistet.

Was habt ihr auf jeden Fall richtig gemacht – und würdet es auch allen anderen Gründerinnen raten!

Betty: Lernt eure Stärken und Schwächen kennen und gesteht euch diese auch ein. Nur so könnt ihr effizient arbeiten. Bei uns klappt das super. Manu macht die Sachen gern, die ich wirklich nicht machen möchte und kann und anders herum ist es genau das gleiche. Excel-Tabellen und Verhandlungen sind ein Graus für Manu, mich hingegen langweilt das Texten oder das Bearbeiten von Bildern.

Manu: Ich verstehe gar nicht, was daran langweilig sein soll J
Aber ganz im Ernst, es gibt natürlich auch viele Überschneidungen, vor allem dann, wenn wir kreativ sein können und Ideen spinnen. In diesen Momenten ergänzen wir uns hervorragend. Sucht euch eine Partnerin, die gut zu euch passt, mit der ihr offen sein könnt. Bei uns ist es so, dass wir uns irgendwie immer von neuem anspornen. Ich finde, dass gerade dieser Ansporn ein wunderbarer Treibstoff für unseren Mompreneur-Motor ist.

Vielen Dank euch beiden und viel Erfolg beim Wachsen!

Bettina Brown (35) ist nach 11 Jahren England vor 2 ½ Jahren nach Deutschland zurückgegekehrt und hat als Ort für ihr Startup die Gründerhauptstadt Berlin gewählt. In England war sie in den Bereichen Business Development, Kundenservice und Qualitätsmanagement in der Medizintechnik und im Eventmanagement tätig.

Manuela Gaeth (35) ist ausgebildete Mediendesignerin und Sprachwissenschaftlerin und hat viele Jahre an der Schnittstelle zwischen Design, Text und Content-Management gearbeitet, unter anderem für eine Tageszeitung, verschiedene Agenturen und zuletzt für einen Journalistenverband.