Dieses Jahr wird alles anders. Besser natürlich! Wenn ich nur regelmäßig früher aufstehe, mehr Sport treibe und strukturierter an die Arbeit herangehe, erreiche ich alles was ich will. So ungefähr lauten die Neujahrvorsätze von vielen – zumindest für ein paar Tage.

Der Start ins neue Jahr verläuft meist mit guten Vorsätzen - aber kann man diese auch wirklich umsetzen?
Der Start ins neue Jahr verläuft meist mit guten Vorsätzen – aber kann man diese auch wirklich umsetzen?

Nun ist das Jahr 2015 bereits zwei Wochen alt, also nicht mehr ganz so neu. Und wie fühlen sich die guten Vorsätze an, nachdem man sich noch vor wenigen Tagen vorgenommen hat, alle schlechten Verhaltensweisen hinter sich zu lassen? Hat man es tatsächlich geschafft etwas zu ändern? Wird das Fitnessstudio-Abo mehr ausgenutzt als im letzten Jahr und gibt es zum Frühstück Obstquark statt Nutellabrot? Hat man sich auf das erste Kundengespräch im neuen Jahr besser vorbereitet als früher? Bei manchen hat vielleicht schon der Ärger darüber eingesetzt, dass Vieles eben doch nicht anders läuft als vor dem 1.1.2015. Und genau das ist das Problem mit den guten Vorsätzen.

Wann ist ein Vorsatz eigentlich gut? Und warum brauche ich einen Jahreswechsel dazu? Den 1. Januar als eine Art Neuanfang zu sehen macht schon irgendwie Sinn, auch wenn jeder andere Tag im Jahr ähnlich gut geeignet wäre. Aber die letzten Wochen eines Jahres sind meistens eher ruhig und man hat Zeit, Vergangenes zu überdenken und Pläne für die Zukunft zu machen. Natürlich könnte man den Sommerurlaub ebenso nutzen und sich gute Vorsätze für die Zeit nach dem 1. August vornehmen. Aber wir Menschen halten uns ja gern an ereignisreichen Daten fest. Und hinzukommt, dass wir die Vorhaben „mehr Sport und weniger ungesundes Essen“ nach den Feiertagen für besonders wichtig halten.

Nur machbare Vorsätze sind gute Vorsätze

Aber viel wichtiger als der Tag an dem die neue Zeitrechnung beginnen soll, ist der Inhalt der Vorsätze und deren Machbarkeitsprüfung. Denn nichts in frustrierender, als wenn man kurze Zeit später – also zum Beispiel Mitte Januar – feststellt, dass man noch nichts von den großen Zielen umsetzen konnte. Wenn man sich vornimmt, gleich das gesamte Leben zu ändern, ist die Enttäuschung eigentlich schon vorprogrammiert. Beruflich schneller vorankommen, mehr Zeit für Freunde und Familie und natürlich auch mehr Sport – da ist man schnell bei einer 120 Stunden-Woche. Und was hat jetzt die größte Priorität? Wenn man sich nicht machbare Ziele setzt, diese priorisiert und sich einen konkreten, überprüfbaren Zeithorizont setzt, droht die komplette Überforderung – mit dem Ergebnis, dass man gar nicht erst anfängt.

Eines der Hauptprobleme ist, dass wir oft selbst gar nicht sehen, was wir täglich leisten. Und zu hart mit uns in Gericht gehen, wenn wir einmal wirklich „nichts“ geleistet haben. Dabei will Entspannung und Krafttanken auch gelernt sein. Der Vorsatz „ich möchte nicht mehr so streng zu mir sein und das was ich tue mehr wertschätzen“ kann also durchaus sehr sinnvoll sein. Und wenn es absolut nicht gelingt, dass wann tut anzuerkennen und sich dafür zu loben, ist es wohl an der Zeit, etwas anderes zu tun.

Ein Vorsatz muss kein Umbruch sein

Ein Vorsatz muss ja auch nicht unbedingt bedeuten, etwas ganz anders machen zu wollen, als vorher. Man kann sich ja auch fragen: was war gut im letzten Jahr? Und darauf aufbauen. Es werden sich sicher einige Sachen finden, die gut gelaufen sind. Wenn diese gefunden und notiert sind, kann man sich einfach mal vornehmen: „Genauso mache ich weiter!“ Das ist machbar, das hat man ja schon gezeigt, und bringt deshalb weniger Frust und mehr Fortschritt, als jedes noch so vernünftige Vorhaben, an dem man nach kurzer Zeit scheitert.