Die Diskussion kocht an jeder Ecke –sollen Frauen lieber Karriere machen oder Kinder kriegen? Am besten beides natürlich! Und da geht die Überforderung schon los. Klar, Männer machen seit Jahrhunderten auch beides – aber eben nur, weil sie eine Frau zu Hause haben, die den aufwendigeren Teil des Kinderkriegens und -betreuens übernimmt. Dagegen ist ja auch nichts einzuwenden – Arbeitsteilung nennt man so etwas!

Junge Frau mit Hut sitzt nachdenklich auf einer Bank.
Kind oder Karriere? Beides oder keines von beiden? Die Gesellschaft macht Druck, denn wir brauchen mehr Kinder. Die Karriere soll die moderne Frau aber auch nicht vernachlässigen… (Bild: deathtothestockphoto.com)

Wer teilt sich jetzt aber mit uns die Arbeit, wenn wir beides anpacken? Im Zweifelsfall erstmal niemand. Aber sich deswegen gegen den Job oder gegen das Vermehren zu entscheiden…geht gar nicht! Eine Frau heutzutage muss tun, was eine Frau tun muss. Und dass es funktioniert, sieht man ja wohl, oder? Die Top-Managerinnen, die trotz einer 60 Stunden Woche und ihren 3 Kindern noch Zeit für Sport und sonstige Köperpflege finden – sie existieren, echt!

Gerade als gut ausgebildete Frau hat man heutzutage das Gefühl, es ist eine Pflicht gegenüber der Gesellschaft, Kinder – oder wenigstens ein Kind –zubekommen. Wenn wir das nicht tun, werden alle verarmen, würdelos altern und unsere Spezies wird letztendlich aussterben. Und wer ist dran schuld? Die kinderlosen, karrierewütigen jungen Frauen natürlich. Naja, ein bisschen vielleicht auch die Politik… und die bösen Arbeitgeber, die nichts für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ihrer Mitarbeiter tun möchten. Ich betone: möchten! Aus purer böser Absicht.

Du musst alles wollen – und machen!

Aber was ist mit der „Gesellschaft“, die von den Frauen mehr Kinder fordert, um das Gemeinwohl zu sichern. Trägt die auch Mitschuld an der Misere, dass sich immer mehr Frauen gegen das Kinderkriegen entscheiden?

„Frauen, bekommt Kinder! (…die für unseren Wohlstand und unsere Rente sorgen)“

„Frauen, geht arbeiten, um euch selbst zu verwirklichen! (…und nicht später wegen Depressionen die Kassen zu belasten)“

„Frauen, vernachlässigt eure Kinder nicht, indem ihr zu viel arbeitet! (…die werden schwere Schäden davon tragen und dann haben wir auch nichts von ihnen)“

Äh, was jetzt? Arbeiten, Kinderkriegen, zu Hause bleiben, arbeiten. Hundertprozent von allem geht schlecht. Also entscheide ich mich doch erstmal gegen alles vor lauter Überforderung. Aber Frauen, die keine großen Karriereambitionen haben und keine Kinder, kommen in all den Darstellungen überhaupt nicht vor. Vermutlich weiß man auch nicht um ihre Existenz, denn wer würde unter all diesem Druck schon freiwillig den Mund aufmachen und sagen: „Kind und Karriere interessieren mich nicht, ich bevorzuge einen ruhigen Job und meine Freizeit verbringe ich am liebsten auf dem Surfbrett oder in der Kletterhalle.“

Ich will weder Kind noch Karriere – und nun?

Frauen, die keine Karriereabsichten haben, aber gern für ihre Kinder da sind, finden ungefähr genauso viel Beachtung. Nirgends wird erwähnt: Liebe Damen, wenn ihr euch ganz auf das Kindererziehen konzentrieren möchtet, ist das völlig in Ordnung. Ihr müsst euch nicht zerreißen, um Job und Familie unter einen Hut zu bekommen. Familie ist Job genug!“

Mit dem Thema Frauen, Kind und Karriere und wie das alles unter einen Hut zu bringen ist, sind also offenbar nicht nur die Frauen selbst, sondern alle etwas überfordert. Jeder hat irgendwas dazu zu sagen, aber keiner weiß, wie es denn nun richtig zu lösen ist – das Kinderproblem. So vermutlich nicht!