Gründen, egal ob groß oder klein, ist eine anstrengende und risikovolle Angelegenheit, die auch noch Spaß machen soll. Da kommt es vor allem auf die richtigen Partner an. Das sieht auch Karina Schönberger von bow & arrow events so. Sie hat die perfekte CO-Gründerin gefunden. Im Interview verrät sie außerdem, was ihr Herz Freudensprünge machen lässt und welche weniger schönen Aufgaben sie dafür in Kauf nimmt.

Portrait von Karina Schönberger, Co-Founderin bow & arrow events
Karina Schönberger ist eine von zwei Gründerinnen, die mit ihrem Startup bow & arrow events romantische Momente für Paare organisieren. (Foto: © Gerald Schmidt)

Karina, gleich mal mit der Tür ins Haus: du hast deine Eizellen einfrieren lassen! Passt gründen und Kinderkriegen nicht zusammen, oder warum hast du den Kinderwunsch auf Eis gelegt?

Karina Schönberger: Meine Selbstständigkeit und das Einfrieren meiner Eizellen hat unmittelbar nichts miteinander zu tun. Ich vertrete die Ansicht, dass man durchaus eine Firma gründen und aufbauen kann UND nebenbei noch ein paar glückliche Kinder machen kann. Die Entscheidung, meine Eizellen einzufrieren rührt daher, dass im Moment noch nicht die Bausteine für eine Zukunft mit Kindern gelegt sind.

Hätte man mich mit 18 gefragt, wann ich Kinder kriegen will, hätte ich sicher „früh“ geantwortet. Ich wollte gern eine junge Mama sein und viele Kinder haben. Nun spielt das Leben nicht immer so, wie man es sich ausmalt. Ich habe mich mit 23 selbstständig gemacht und ein Partner ist momentan auch nicht in Sicht. Dennoch ist das Social Freezing für mich keine Versicherung, dass ich nun mit meiner Firma durchstarte und mit 40 mein erstes Kind kriege. Ich würde nicht ausschließen, dass ich immer noch jung Mutter werde, ich werde die Entscheidung nicht von der Tatsache abhängig machen, dass ich eine Versicherung in dieser Richtung getroffen habe, sondern meinem Gefühl und Wunsch folgen.

Sollten diese Bausteine, die für mich wichtig sind, erst mit 35 gelegt worden sein, habe ich allerdings eine höhere Wahrscheinlichkeit, als andere Frauen in diesem Alter, schwanger zu werden. Das ist schon ein beruhigender Gedanke, denn ein Leben ohne Kinder könnte ich mir schwer vorstellen.

Du hast eine Eventagentur für romantische Momente gegründet. Stecken hinter der Idee eigene unromantische Erfahrungen oder wie bist du auf die Idee gekommen?

Karina Schönberger: Die Idee hinter der Agentur hat mit meinen eigenen Erfahrungen eigentlich recht wenig zu tun, sondern mehr mit der Passion kreativ zu denken, gern zu organisieren und mit Menschen zu arbeiten.

Die Idee zur Agentur entstand als Lisa, meine Businesspartnerin und gute Freundin, und ich gemeinsam studiert haben. Wir mussten in einem Modul, das sich „Businessplan“ nannte, eine fiktive Idee erschaffen, die die Menschheit unbedingt braucht. Wir haben unsere Köpfe also zusammengesteckt und an die ganzen armen Männer gedacht, die jedes Jahr auf ein Neues unter großem Druck stehen, sich zum Hochzeitstag, Geburtstag, Jahrestag oder Valentinstag etwas Neues einfallen lassen zu müssen. Die gängigen Erlebnisgutschein-Anbieter haben unserer Meinung nach einen bestimmten Bedarf nicht abgedeckt. Und zwar von den Männern, die ihrer Frau keinen langweiligen Papier-Gutschein in die Hand drücken wollen, sondern ihr zeigen wollen, dass sie sich Gedanken gemacht haben und ihre Wünsche genauestens getroffen haben. Mit diesem Grundgedanken haben wir bow & arrow events erschaffen. Nach der Buchung oder der Anfrage unserer Kunden, telefonieren wir uns zusammen und besprechen konkret und individuell, womit er seine Herzdame überraschen könnte. Wir stellen ihre Lieblingsblumen auf den Tisch, besorgen den Wein der ersten Begegnung, spielen ihr Lieblingslied ein und suchen ein Menü aus, das ihr garantiert schmeckt. Dazu gibt es einen Chauffeur, der die beiden abholt und nach Hause bringt und wenn es sein muss, auch Feuerwerk. Wir planen diesen Tag von A bis Z durch und schicken ihm einen fertigen Ablaufplan mit allen Uhrzeiten, Adressen und unserer Rechnung.

Das Schönste ist: Sie wird nie erfahren, dass wir ihm geholfen haben, denn alles ist auf seinen Namen reserviert. Ob das unromantisch ist? Ganz im Gegenteil! Denn am Ende macht er sich die Gedanken und erzählt uns genau, was sie mag und womit man sie zum Strahlen bringt. Meistens hat er einfach nur keine Zeit oder kennt sich nicht gut aus, um das selbst auf die Beine zu stellen.

Mittlerweile haben wir uns auf Heiratsanträge spezialisiert und haben bisher über 60 Heiratsanträge in Berlin geplant und organisiert. Bis auf ein einziges Mal, gab es immer ein „JA“. Es buchen auch nicht nur Männer bei uns – wie anfangs gedacht – sondern auch einige Frauen, die ihren Mann oder Freund überraschen wollen. Nun haben wir über 100 Partner in Berlin von Restaurants, Bars bis hin zu Schiffskapitänen, Künstlern, Pyrotechnikern oder Piloten von Helikoptern, die wir alle persönlich kennen gelernt haben. Nachdem wir sogar für eine Hochzeit angefragt wurden und diese geplant haben, planen wir nun auch, ins Hochzeitsgeschäft einzusteigen. Aber das ist noch top secret.

Was ist das Schönste an deinem Job?

Karina Schönberger:  Das Schönste ist tatsächlich, wenn ich eine E-Mail von einem Kunden öffne, der sein Erlebnis gerade hinter sich hat. Das sind die E-Mails, die ich am liebsten lese.

Da wir einen sehr guten Draht zu jedem einzelnen Kunden haben, fragen wir nach dem besonderen Tag immer nach, wie es gelaufen ist. In den meisten Fällen kriegen wir eine Rückmeldung vom Kunden. Diese E-Mails lassen einen dahinschmelzen. Sie sind voll von Dankbarkeit und Euphorie und zeigen einem immer wieder auf’s Neue, wieso man diesen Job macht. Denn die Planung eines Events ist oft alles andere als entspannt – gerade bei ganz besonderen Wünschen. Aber wenn ich dann diese E-Mail lese und er schreibt „Sie hat JA gesagt und war hin und weg – eine gelungene Überraschung, danke.“, dann weiß ich immer wieder, dass es sich gelohnt hat, diesen Stress auf sich zu nehmen.

Und was würdest du gern eintauschen?

Karina Schönberger:  Die Technik! Die meisten denken, dass unser Job rein aus dem Planen von schönen Erlebnissen besteht. Leider steckt die Hälfte der Zeit das Einpflegen von unseren Paketen in unser Webseiten-Backend, das Erstellen von Newslettern, SEO-Maßnahmen usw. dahinter. Meist machen diese technischen Dinge Probleme, bei denen es oft länger dauert, bis man diese gelöst hat. Wenn ich dann 3 Stunden damit verbracht habe, zu recherchieren, wie man das Problem genau löst, dann kann ich schon ziemlich genervt sein.

Es heißt, Frauen gründen oft vorsichtiger, mit wenig Risiko und geringeren Wachstumsambitionen. Trifft das auf euch auch zu?

Karina Schönberger: Das könnte gut sein, auch bei uns war das so. Wir haben von Anfang an gewusst, dass wir nicht von einem Tag auf den anderen durch die Decke gehen werden mit bow & arrow events – es ist immerhin ein komplett neues Konzept auf dem Deutschen Markt. Wir haben einen Kredit aufgenommen, die Marke angemeldet und uns 10 Monate Zeit genommen, alle Partner aus unserem Netzwerk persönlich kennen zu lernen. Wir wollten auch nie das schnelle große Geld. Wir haben beide 2 Jahre neben der Gründung in Teilzeit vormittags gemeinsam in einer Agentur gearbeitet, um unsere Miete zu zahlen und sind mittags gemeinsam in unser eigenes Büro gefahren. Wir haben stets um 18 Uhr Feierabend gemacht, damit wir auch noch am nächsten Morgen gern zu Arbeit kommen und die Wochenenden waren immer schon heilig und unantastbar. In diesem Sinne sind wir kein klassisches Start-Up. Aber meiner Meinung nach konnten wir uns auch nur so die Liebe für unsere Idee bewahren und so lange durchhalten – anfangs ohne auch nur einen Cent zu ernten.

Wo siehst du dich bzw. euer Unternehmen in 3 Jahren?

Karina Schönberger: Wir sind immer noch dabei das Portfolio von bow & arrow events auszubauen. Anfangs waren es nur schöne Erlebnisse für Paare in Berlin wie der Jahrestag, Hochzeitstag oder Valentinstag. Dann kam als Nische der Heiratsantrag dazu, bei dem wir mittlerweile DER Ansprechpartner in Berlin sind. Nun planen wir urbane Hochzeiten im Berlin-Stil zu planen. Ich denke diese Entwicklung wird immer so weitergehen, vielleicht planen wir in ein paar Jahren Kindergeburtstage, Baby Shower oder ganz andere Dinge? Auch nach 3 Jahren sind wir offen für alles und behalten es uns bei, Visionäre zu bleiben. Was ich in drei Jahren definitiv sehe, ist, dass es bow & arrow events auch in anderen größeren Städten wie Hamburg, München oder Stuttgart geben wird.

Welche Eigenschaften muss man deiner Meinung nach als Gründerin unbedingt mitbringen?

Karina Schönberger:  Die wichtigste Eigenschaft ist Disziplin und Durchhaltevermögen. Disziplin, um jeden Morgen aufzustehen und ins Büro zu fahren, obwohl man anfangs noch nicht davon leben kann. Und das ein paar Jahre lang, bis die Firma auf eigenen Beinen steht. Man hat immerhin keinen Chef, der einen morgens erwartet, da braucht man einiges an Eigenmotivation.
Durchhaltevermögen, um nicht direkt aufzugeben, auch wenn es auch Monate gibt, in denen die Umsätze zurückgehen. Um genau in diesen Zeiten die Produkte zu verbessern oder Neues zu schaffen und nie an der Idee zu zweifeln.

Fehler, aus denen man lernt, gehören zum Alltag einer Unternehmerin. Aber was hast du auf jeden Fall richtig gemacht und würdest es immer wieder so machen?

Karina Schönberger: Ich habe mir einen wunderbaren Menschen ausgesucht, mit dem ich diese Firma gegründet habe. Lisa und ich arbeiten seit Jahren jeden Tag zusammen und wir sind immer noch sehr gute Freunde, sogar bessere als jemals zuvor.
Mit ihr habe ich eine verständnisvolle Partnerin gefunden, auf die ich mich verlassen kann – auch in schlechten Zeiten, ob privat oder beruflich. Das ist in der Selbstständigkeit überaus wichtig. Da ist einfach jemand, der die besten Entscheidungen für das Unternehmen treffen wird, da ist 100%iges Vertrauen.
Natürlich haben wir verschiedene Meinungen und diskutieren ab und an hitzig. Allerdings wurden wir bisher niemals laut oder respektlos. Wir wissen, was uns beiden die Firma bedeutet und wenn einer von uns felsenfest von etwas überzeugt ist, dann tritt der andere meistens immer einen Schritt zurück und vertraut.
Ich bin fest der Überzeugung, dass der Erfolg einer Unternehmung maßgeblich von den Gründern abhängt – nicht zuletzt scheitern Start-Ups oft daran, dass die Gründer sich nicht mehr verstehen.
Da haben Lisa und ich uns einfach gefunden. Wir sprechen genau die gleiche Sprache und haben ähnliche Vorstellungen, wohin es mit der Firma gehen soll. Ich glaube, dass dieses Glück nicht vielen Menschen zuteil wird und weiß es deshalb umso mehr zu schätzen.

Besten Dank, Karina, und alles Gute für euch!

Karina Schönberger ist eine von zwei Gründerinnen der Eventagentur bow & arrow events, die sich auf die Organisation von romantischen Erlebnissen, vor allem Heiratsanträge spezialisiert hat. Zusammen mit Lisa Winteroll hat sie das Startup im November 2013 auf den Weg gebracht.  In ihrem Studium zur Medienmanagerin mussten sie einen Businessplan entwerfen, der den Grundstein für ihr heutiges Business legte. Karina ist eine der ersten jungen Frauen in Deutschland, die ihre Eizellen bei Seracell hat einfrieren lassen. Mehr zu dem Thema gibt es auf iZelle.